20. September 2011

Portraitfoto Dr. Martin Hamburger, Vorsitzender des Diakonischen Fachverbandes der BetreuungsvereineAuf der zweitÀgigen Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Diakonischen Fachverbandes der Betreuungsvereine am 22. und 23. September stehen fachliche und rechtliche Fragen zum Betreuungsrecht und seiner praktischen Umsetzung im Vordergrund.

 

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention fĂŒr ein selbstbestimmtes Leben der Betreuten

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert die Gleichstellung behinderter Menschen im Hinblick auf Rechte und Pflichten in einer liberalen Gesellschaft. Als adĂ€quates Mittel zur Durchsetzung dieser Forderung sieht die UN eine verstĂ€rke UnterstĂŒtzung und Assistenz dieser Menschen.

„Wir wollen eine StĂ€rkung der Alternativen zur stationĂ€ren Unterbringung. So eine Unterbringung hat immer auch etwas mit Zwang zu tun. Durch ambulante Hilfsangebote, wie den sozialpsychiatrischen Dienst, Tageskliniken oder Begleitungen im Alltag könnten Unterbringungsanordnungen vermieden werden und die Menschen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben,“ so Waltraud Nagel, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Diakonischen Fachverbandes der Betreuungsvereine. Auf der Fachtagung sollen unter anderem die Möglichkeiten und Grenzen der ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung diskutiert werden.

Außerdem soll den Mitarbeitenden der Betreuungsvereine die Möglichkeit zur Reflexion ihrer Arbeit geboten werden. Im Vordergrund der Arbeit von rechtlichen Betreuern stehe stets der Wunsch und das Wohl der Betroffenen, so Waltraud Nagel. Trotzdem stellt sich im Alltag vielfach die Frage nach der Umsetzbarkeit dieser WĂŒnsche und nach dem Umgang mit der Macht, die Betreuerinnen und Betreuern zur VerfĂŒgung steht. Eine stationĂ€re Unterbringung kann zum Schutz eines Betroffenen, auch vor sich selbst, manchmal nicht vermieden werden. Unter dem Titel „Macht und Ohnmacht – Zwang in der Betreuungsarbeit“ widmen sich die Teilnehmenden am Donnerstag diesem Thema.

 

Die Rolle der Betreuungsvereine im Betreuungswesen

Am Freitag soll die Rolle der Betreuungsvereine im Mittelpunkt stehen. Durch die VerĂ€nderung im rechtlichen Rahmen des Betreuungsgesetzes kommen verĂ€nderte Aufgaben auf die Betreuungsvereine zu. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) berichtet von einem steigenden Beratungsbedarf im Bereich der rechtlichen Betreuung, bei Vorsorgevollmachten und der PatientenverfĂŒgung.

Einen Großteil der rechtlichen Betreuungen wird von ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern ĂŒbernommen. Waltraud Nagel spricht von 60 bis 70% aller rechtlichen Betreuer/innen. Sie werden von den Betreuungsvereinen ausgebildet und bei ihrer Arbeit begleitet. Dieser Arbeitbereich der Betreuungsvereine ist mit hohem Aufwand verbunden und wird immer wichtiger im Hinblick auf die Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention. So stellt die BAGFW fest: „Um die Aufgaben weiter erfĂŒllen zu können und um ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern die Hilfe und Beratung zu gewĂ€hren, die diese aufgrund ihrer Bereitschaft, ehernamtlich soziale Verantwortung zu ĂŒbernehmen, verdienen und benötigen, muss gewĂ€hrleistet sein, dass Betreuungsvereine mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet werden, die dauerhaft eine qualitativ hochwertige Arbeit garantieren.“

Ein mögliches, neues Finanzierungsmodell der Betreuungsvereine ist das in rheinland-pfĂ€lzische: Im Landesgesetz ist eine jĂ€hrlich anzupassende Summe garantiert, mit der die Betreuungsvereine gefördert werden. Die BAGFW hĂ€lt dieses Modell fĂŒr besonders angemessen im Hinblick auf die Anforderungen an die Betreuungsvereine und fĂŒhrt auf dieses Finanzmodell zurĂŒck, dass es in Rheinland-Pfalz „ein flĂ€chendeckendes Netz von Betreuungsvereinen gibt, die eine kontinuierliche, sehr gute Arbeit im Bereih der Werbung und Begleitung von ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern leistet, ebenso wie im Bereich der VorsorgeverfĂŒgungen.“

 

Die Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Diakonischen Fachverbandes der Betreuungsvereine der Diakonie RWL findet am Donnerstag, 22. September, und Freitag, 23. September, im Erbacher Hof, Akademie und Tagungszentrum des Bistums Mainz in der Grebenstraße 24 in Mainz statt.

http://www.ebh-mainz.de

Programm der Jahrestagung