22. Dezember 2011

Professionelle und ehrenamtliche Begleitung von Fl├╝chtlingen ist eine besondere Herausforderung. Menschen, die als Fl├╝chtlinge nach Deutschland kommen, haben oftmals durch schwer belastende Erlebnisse wie Kriege, Verfolgung und Folter behandlungsbed├╝rftige Traumafolgest├Ârungen entwickelt. W├Ąhrend der Arbeit mit und f├╝r die Fl├╝chtlinge werden die "Helfer" nicht nur mit schwersten Schicksalen und Symptomen, sondern auch mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert. Diese Aufgabe geht oft mit Belastung bis ├ťberforderung einher. Auf einer Tagung am 14. bis 16. Dezember in Mainz mit ├╝ber 80 Teilnehmenden standen nun die Belastungen f├╝r die Helfenden im Fokus.


Veranstalter waren die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren f├╝r Fl├╝chtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF) und die Arbeitsgemeinschaft Flucht und Trauma Rheinland-Pfalz. In Vortr├Ągen und Workshops ging es um Themen wie "Sekund├Ąrtrauma und Burnout-Prophylaxe", Konzepte und Techniken der "Psychohygiene" und Therapiekonzepte bei Burnout-Patienten. Die Ministerin f├╝r Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen in Rheinland-Pfalz, Irene Alt, er├Âffnete die Tagung mit einem Gru├čwort.


Jens Rautenberg, Mitglied der Gesch├Ąftsf├╝hrung der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz, ging in seinem Gru├čwort auf die ver├Ąnderte politische Situation in Rheinland-Pfalz ein. Er nehme eine gewisse Aufbruchstimmung wahr, die zu einer humaneren Fl├╝chtlingspolitik und zu einer Verbreiterung der Migrations- und Integrationsarbeit f├╝hren d├╝rfte. Rautenberg erinnerte an die anf├Ąnglichen Bedingungen der psychosozialen Fl├╝chtlingsarbeit. Er verwies auf den zunehmenden Anspruch, den diese Arbeit in den vergangenen 30 Jahren entwickelt hat: "Am Anfang ging es vielfach darum, mit den Fl├╝chtlingen Wege zu finden, das erkennbar Erlittene nicht, wie nur allzu oft zu verschweigen, sondern im Asylverfahren als entscheidende Begr├╝ndung darlegen zu k├Ânnen; gleichwohl, auch erste therapeutische Ans├Ątze wurde damals schon entwickelt und eingesetzt. Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der nachhaltigen Beratung und Therapie traumatisierter, gefolterter und von schweren Menschenrechtsverletzungen betroffener Menschen. Erkenntnisse aus der Psychologie und Traumaforschung sind mit denen aus der Fl├╝chtlingshilfe, der Menschenrechtsarbeit und dem interkulturellen Ansatz eine Synthese eingegangen, die inzwischen auch in der wissenschaftlichen Fachwelt gro├če Anerkennung findet. Die PSZs stehen tats├Ąchlich an zentraler Stelle, wenn es um die fachliche Weiterentwicklung und die Setzung von Standards in der Fl├╝chtlingsarbeit geht".

Das alles spiele sich unter schwierigen finanziellen Bedingungen ab. Ein gro├čer Teil der Arbeit sei auf Projektf├Ârderungen angewiesen: "Die Finanzlage bleibt prek├Ąr und ├Âffentliche Zusch├╝sse namentlich der EU sind nur mit hohem Aufwand, gro├čer Sachkenntnis und im Wettbewerb der Interessentinnen und Interessenten zu bekommen. Viel Hoffnung, dass sich an dieser Situation in Zukunft etwas ├Ąndert, d├╝rfen wir uns wohl nicht machen. Es wird also weiterhin von unserer Kreativit├Ąt und vom guten Willen derjenigen, denen das Schicksal von Fl├╝chtlingen am Herzen liegt, abh├Ąngen, dass wir unsere Arbeit fortsetzen k├Ânnen." Rautenberg, der selbst bis 2004 als Referent f├╝r Fl├╝chtlings- und Migrationsarbeit t├Ątig war, unterstrich das besonders hohe pers├Ânliche Engagement, das in der Fl├╝chtlingsarbeit typisch anzutreffen sei: "Dennoch es gibt auch hier Grenzen - ├ťberlastung, ├ťberforderung und ÔÇÜSekund├Ąrtraumatisierung'." So sei es sinnvoll, sich mit den eigenen Belastungen in der Arbeit zu besch├Ąftigen und daf├╝r Fachlichkeit und Erfahrung unterschiedlicher Professionen aus verschiedenen Arbeitsfeldern zu suchen.


Weitere Informationen


Bundesfachtagung: Wo bleiben unsere Helfer? 
Programm der Tagung

Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren f├╝r Fl├╝chtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF)
www.baff-zentren.org

Arbeitsgemeinschaft Flucht und Trauma Rheinland-Pfalz.
www.ag-fluchtundtrauma.de