13. Januar 2012

Portraitfoto von Hartmut Uebach„Die biblisch begrĂŒndete Sorge um den NĂ€chsten, ist Auftrag der Kirche sich auch um Sterbende zu kĂŒmmern. Darum begrĂŒĂŸen wir es ausdrĂŒcklich, dass sich das oberste Gremium der Evangelischen Kirche im Rheinland mit dem Thema Sterben und Sterbebegleitung beschĂ€ftigt“, so Hartmut Uebach, Vorsitzender des Fachverbandes "Hospiz- und Palliativdienste" in der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe am Rande der Landessynode in Bad Neuenahr. Die Erfahrungen aus zwanzig Jahren Hospizbewegung in der evangelischen Kirche und die theologisch-ethische Reflexion könne dazu beitragen, dass die Stimme der evangelischen Kirche im gesellschaftlichen Diskurs um Sterbehilfe mehr Gehör findet.


Auf der Landessynode diskutierten die Vertreterinnen und Vertreter der rheinischen Kirche ĂŒber eine Orientierungshilfe zu lebensverkĂŒrzenden Maßnahmen und zur Sorge um Sterbende, die der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa veröffentlicht hat. „Die ethischen Fragen rund um Sterbehilfe und Selbsttötung machen nicht an Landesgrenzen halt, darum ist diese gemeinsame Orientierungshilfe aller evangelischen Kirche in Europa ein Fortschritt“, so Ulrich Christofczik, GeschĂ€ftsbereichsleiter Pflege bei der Diakonie RWL. Aus der Sicht der Praxis in der Hospizarbeit sei die Position der Orientierungshilfe zu unterstreichen, dass ethische Fragestellungen am Lebensende nicht pauschal zu beantworten sind, sondern individuell betrachtet werden mĂŒssen. „Sollten Menschen sich in diesen ethischen Fragen anderes entscheiden als es unserem evangelischen Glauben entspricht, dĂŒrfen wir sie nicht alleine lassen in ihrer Entscheidung, sondern sollten sie weiter begleiten und tragen. Das ist Praxis in der Hospizarbeit“, unterstreicht der Krankenhausseelsorger Hartmut Uebach.

Sterbebegleitung heute, heißt nicht nur seelsorgerliche Begleitung von Sterbenden, sondern ganzheitliche Sorge auch um physische BedĂŒrfnisse, wie zum Beispiel Schmerzbehandlung. Diakonische Einrichtungen bieten interdisziplinĂ€r Ressourcen fĂŒr diese ganzheitliche Arbeit an, von der Palliativmedizin ĂŒber psychologische Beratung bis hin Begleitung durch Ehrenamtliche. Diese mehr als 1 000 Freiwillige allein bei den Hospizdiensten der Diakonie RWL erleben ihr Engagement als Bereicherung und christlichen Dienst am NĂ€chsten und der Gesellschaft. Gerade hier sei eine engere VerknĂŒpfung mit den Kirchengemeinden vor Ort sei wĂŒnschenswert, so Hartmut Uebach. Besonders der flĂ€chendeckende Ausbau der ambulanten Palliativversorgung fĂŒr Schwerstkranke stellt ganz neue Herausforderungen an gemeindliche Seelsorge. „Auf einer Intensivstation ist fĂŒr die PflegekrĂ€fte die Krankenhausseelsorge schnell greifbar, da gibt es verlĂ€ssliche Strukturen. FĂŒr ambulante Palliativ-Teams, die dezentral arbeiten fehlen diese verlĂ€sslichen Ansprechpartner auf Seiten der Seelsorge noch.“

Eine weitere Herausforderung, die auf der Landessynode angesprochen wurde, ist der Ausbau der palliativen Angebote in Altenpflegeheimen und KrankenhĂ€usern. „Die meisten Menschen sterben in Pflegeeinrichtungen und KrankenhĂ€usern, deshalb wird es immer wichtiger, hier hospizliche Angebote zu machen“, erlĂ€utert Dietrich BĂŒttner, Referent fĂŒr Hospizarbeit bei der Diakonie RWL. Auf die StĂ€rkung der Palliativkultur in Pflegeeinrichtungen will der Fachverband Hospiz in den nĂ€chsten Jahren sein Hauptaugenmerk richten.

Mit Sorge sieht der Fachverband, dass in Fragen von Sterben und Tod das Thema SpiritualitĂ€t zwar immer mehr an Bedeutung gewinnt, gleichzeitig aber fĂŒr viele Menschen kirchliche Angebote an Bedeutung verlieren. „Wenn wir als Kirche auf spirituelle Fragen am Lebensende keine adĂ€quaten, zeitgemĂ€ĂŸen Antworten geben können, dann haben wir bald gar nichts mehr zu sagen. Leider hilft hierbei die Orientierungshilfe nicht weiter“, betont BĂŒttner. Stattdessen könne man auf die positiven Erfahrungen der Hospizarbeit zurĂŒckgreifen. „Das Engagement von ehrenamtlichen Sterbebegleitern, ihre Haltung und ihr Glaube machen den Sinn von Leben und Glauben fĂŒr viele Sterbende erfahrbar.“

Im Fachverband „Hospiz und Palliativdienste“ sind stationĂ€re Hospize, ambulante Hospizdienste, spezialisierte Palliativpflegedienste, Palliativstationen, Trauergruppen und Hospizgruppen in Altenpflegeheimen zum Teil in ökumenischer TrĂ€gerschaft zusammengeschlossen. 



Weitere Informationen  

www.diakonie-rwl.de/hospiz