20. Juli 2021
Nur wenige Tage nach ihrem Spendenaufruf haben die Diakonie RWL und die evangelischen Landeskirchen bereits fünf Millionen Euro für die Opfer der Unwetterkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz erhalten. Das Geld soll diakonischen Einrichtungen und Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt werden, die damit Soforthilfe leisten können.
Alte Menschen aus Seniorenheimen, die evakuiert werden müssen, Kinder und Jugendliche, deren Wohngruppen vollständig zerstört wurden, Kitas, die geschlossen werden mussten, Familien ohne Obdach. Die Zerstörung, die die Unwetterkatastrophe in Nordrhein- Westfalen und Rheinland-Pfalz hinterlassen hat, ist enorm. Das Wasser fließt langsam ab, aber das Ausmaß der Schäden wird erst
allmählich sichtbar.
 
Unbürokratische und schnelle Hilfe sei jetzt das Gebot der Stunde, erklärt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers. "Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist beeindruckend. Viele packen vor Ort direkt mit an, um die Schäden zu beseitigen. Andere spenden großzügig, damit die Hilfe in den Hochwassergebieten vorangehen kann." Nur wenige Tage nach dem gemeinsamen Spendenaufruf von Diakonie RWL, rheinischer, westfälischer und lippischer Kirche sind rund fünf Millionen Euroeingegangen. "Damit hätten wir nicht gerechnet. Wir danken allen von Herzen, die unserem Aufruf so schnell gefolgt sind und hoffen nun auf weitere Spenden."
 
Psycho-soziale Betreuung für Kinder
 
Wie hoch der Bedarf an Unterstützung ist, zeigen die Berichte einzelner diakonischer Werke und Kirchengemeinden. Noch seien längst nicht alle Keller und Tiefgaragen abgepumpt, so dass weiterhin Tote geborgen werden müssten, berichtet etwa Friedemann Bach, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler. [1] "Neben sehr vielen Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, gibt es zahlreiche, die vom hereinbrechenden Wasser so überrascht wurden, dass sie nicht mehr aus ihrer Kellerwohnung entkommen konnten."
 
Besondere Sorgen macht er sich auch um die Kinder, die dramatische Szenen miterlebt haben und nun in Trümmern auf der Straße spielen, denn Kitas und Schulen sind zerstört. Er wünscht sich, dass für sie möglichst schnell Freizeitangebote geschaffen werden – und zwar mit psycho-sozialer Hilfe, denn viele Kinder seien traumatisiert. Ein ähnliches Angebot erhofft sich auch das Diakonische Werk Euskirchen für all die Familien mit behinderten Kindern, die jetzt mit der Renovierung und Sanierung ihrer Häuser beschäftigt sind. Sie brauchen dringend eine Ferienbetreuung, die es angesichts geschlossener oder zerstörter Kitas und Schulen derzeit nicht gibt.
 
Hilfe für junge und alte Wohngruppen
 
Die Evangelische Jugendhilfe Godesheim [2] berichtet von zerstörten Häusern in Ahrweiler. Der Kinder- und Jugendhilfeverbund beschäftigt knapp 400 Mitarbeitende im Großraum Köln, Bonn, Rhein-Sieg und Ahrweiler. Dort haben die Kinder und Jugendlichen in vier von insgesamt sechs Wohngruppen ihr Dach über dem Kopf verloren und mussten evakuiert werden. Sie sind zunächst in den zwei noch bestehenden Wohngruppen untergekommen. Auch einige Mitarbeitende [3] haben ihr Zuhause verloren. Sie fehlen nun für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen. Neben Mobiliar, Teppichen und Spielzeug muss nun auch zusätzliches Personal finanziert werden.
 
In Hagen, Wuppertal und Köln ist die Lage weniger dramatisch. Doch auch hier mussten Bewohnerinnen und Bewohner von  Pflegeheimen evakuiert werden, weil Keller und Erdgeschosse voller Wasser gelaufen sind, die Elektrizität ausgefallen war und Mobiliar beschädigt wurde. Meist konnten sie in andere diakonische Einrichtungen verlegt werden.
 
Seelsorgerliche Begleitung anbieten
 
Auch wenn keine Gefahr für Leib und Leben bestand, hätten die Evakuierungen doch schlimme Erinnerungen an Kriegszeiten geweckt und enormen Stress bedeutet, berichtet die Sprecherin der Diakonie Michaelshoven [4], Melani Köroglu. "Wir brauchen Seelsorger, die sich um die alten Menschen kümmern." Vielerorts sind Notfallseelsorger der Kirchen im Einsatz. Derzeit betreuen zehn Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Kirchenkreis Bonn Menschen aus evakuierten Seniorenhäusern an der Ahr in Bonner Hotels.
 
Das Diakonische Werk Bonn und Region [5] bietet eine persönliche, seelsorgerliche Begleitung der Menschen in den stark betroffenen Unwetterregionen Swisttal und Rheinbach an. Dafür stehen Mitarbeitende den Menschen in zwei Schichten telefonisch zur Verfügung. Es sei eine "Handybereitschaft" eingerichtet worden, erzählt Marion Schäfer von der Geschäftsleitung. "Viele Menschen sind verzweifelt und wünschen sich neben praktischer Hilfe auch jemanden, der ihnen zuhört, sie stärkt und ermutigt."
 
Sozialberatung vor Ort stärken
 
Die Diakonie in Bonn und Region hat zudem ihre knapp 430 Mitarbeitenden aufgefordert, einen Urlaubstag zu spenden. Das Geld sollen Opfer der Unwetterkatastrophe zum Beispiel für Hygieneartikel, Essen oder auch notwendige Hotelübernachtungen erhalten. Sachspenden nimmt das Diakonische Werk Bonn in der Regel nicht entgegen, denn dafür fehlen Lagerräume und die Logistik. Ähnlich sieht es derzeit bei den meisten anderen Einrichtungen und aus.
 
"In der aktuellen Situation müssen wir die Sozialberatung vor Ort stärken", betont Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. Daher werden den Kirchengemeinden und Sozialberatungsstellen als akute Sofortmaßnahme mehrere tausend Euro an Spendengeldern zur Verfügung gestellt. Damit können sie die Menschen, die alles verloren haben und aktuell noch nicht einmal Zugriff auf ihr Bankkonto haben, sofort unterstützen.

 

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