7. April 2021

Vor 70 Jahren - am 8. April 1951-  fand der erste Welt-Roma-Kongress in London statt. Er bildete den Startpunkt der BĂŒrgerrechtsbewegung der Sinti und Roma. Zum Welt-Roma-Tag am 8. April appelliert die Diakonie Deutschland an Politik und Zivilgesellschaft, ein klares Zeichen gegen rassistische Diskriminierung zu setzen. Dazu zĂ€hlt auch der Antiziganismus. Sinti und Roma erfahren immer noch - vielfach still akzeptiert - Ausgrenzung und Alltagsrassismus und leiden unter massiven Vorurteilen.

Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik: "Wir mĂŒssen alle Formen des Rassismus und damit auch den Antiziganismus endlich ĂŒberwinden. Dazu gehört auch, dass wir uns eingestehen, dass rassistische Haltungen und Denkmuster tief in unserem Denken und in den gesellschaftlichen Strukturen verwurzelt sind. Daher bleibt es unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, in der Politik und in den Medien, roma- und sintifeindliches Denken und Handeln klar zu benennen, zu verurteilen, dagegen anzugehen und Betroffenen ihre SolidaritĂ€t auszusprechen."

Viele Sinti und Roma leben in Europa unter unwĂŒrdigen Bedingungen. HĂ€ufig sind sie aufgrund ihrer prekĂ€ren Lebensbedingungen gerade jetzt schutzlos der Corona- Pandemie ausgesetzt. "Wir als Gesellschaft tragen eine Verantwortung, wenn Menschen Schutz und Lebensperspektive bei uns suchen. Absolut keine Lösung ist es, die LĂ€nder, aus denen Roma zu uns kommen, als sichere HerkunftslĂ€nder einzustufen", so Maria Loheide. Dies betrifft insbesondere die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Dort haben Roma unter den BĂŒrgerkriegen der 1990er Jahre besonders gelitten und sind heute noch von gesellschaftlicher Teilhabe weitgehend ausgeschlossen sowie Diskriminierung und Anfeindungen ausgesetzt.

Eine HĂŒrde fĂŒr umfassende soziale Teilhabe sind auch die geltenden Regelungen, wonach arbeitssuchende auslĂ€ndische BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der EU fĂŒnf Jahre keinen Zugang zu Sozialleistungen haben. "Ohne zumindest anfĂ€ngliche finanzielle UnterstĂŒtzung besteht kaum eine Chance, Wohnung und Arbeit zu finden. Wenn Roma aus anderen EU-Staaten als Arbeitsuchende zu uns kommen, brauchen sie jedoch UnterstĂŒtzung, schnellstmöglich Arbeit zu finden statt sie - trotz BedĂŒrftigkeit - von Sozialleistungen komplett auszuschließen", so Loheide. Die Diakonie Deutschland setzt sich fĂŒr eine offene, vielfĂ€ltige Gesellschaft ein, in der Menschen sich mit Respekt und Toleranz begegnen. "Wir sollten uns freuen, wenn Roma wieder in unserem Land leben wollen und sie mit allen Möglichkeiten darin unterstĂŒtzen, an unserer Gesellschaft teilzuhaben", so Loheide.
 

Hintergrund:

WĂ€hrend des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma aus rassistischen GrĂŒnden verfolgt und ca. eine halbe Million Menschen ermordet. Kaum eine Gruppe hatte einen höheren Anteil an Opfern zu beklagen; in den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern war nahezu jede Familie betroffen. Immer noch hĂ€lt sich Antiziganismus als spezielle Form des Rassismus hartnĂ€ckig. Fast 45 Jahre dauerte es, bis 1989 der Deutsche Bundestag den Völkermord an den europĂ€ischen Roma und Sinti anerkannte.

Das kollektive Trauma des 'Porajmos' wie der Völkermord im Romanes, der Sprache der Sinti und Roma, heißt, wirkt fort.

 

Weitere Informationen:

https://romaday.org/

Die Diakonie unterstĂŒtzt Roma und Sinti in vielen ihrer Dienste und Angebote.
Die Diakonie ist Mitglied im "BĂŒndnis fĂŒr SolidaritĂ€t mit den Sinti und Roma
Europas": https://romaday.org/Buendnis