31. Juli 2020

Speyer (dwp). Als einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung hat der rheinland-pfälzische Kultur- und Wissenschaftsminister Konrad Wolf das „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ bezeichnet. Bei einem Gespräch im Garten des Diakonischen Werkes Pfalz (DWP) in Speyer informierte sich der Minister über die Umsetzung des von der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) angebotenen Trainings, an dem sich auch führende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DWP beteiligten.

Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr erinnerte an die Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015, die auch die Diakoniemitarbeiterinnen und –mitarbeiter verändert habe. „Wir mussten uns in interkultureller Kompetenz weiterbilden und auch mit den Parolen der Gegner und Skeptiker der Flüchtlingspolitik auseinandersetzen“, sagte Bähr. Für Anette Schilling, landesweite Referentin für Suchtkrankenhilfe, war die Teilnahme am Argumentationstraining in zweifacher Hinsicht eine gute Erfahrung. Zum einen habe sie sich selbst die Frage gestellt, „ob ich genug Zivilcourage habe, um öffentlich meine Meinung zu sagen und auch bei Konflikten ganz praktisch einzugreifen und zu helfen“. Zum anderen erlebe sie, dass suchtkranke Menschen sich selbst als benachteiligt ansähen und den Eindruck gewinnen würden, gegenüber Flüchtlingen nachrangig behandelt zu werden.          

Astrid Seib-Marx, die als Argumentationstrainerin für die LpB tätig ist, unterstrich die Bedeutung der persönlichen Herangehensweise, die mit den Fragen „was sind meine Vorurteile“ und „welche Haltung lege ich an den Tag“ verbunden sei. In den Trainingseinheiten würden weiterhin anstelle von Vorträgen Rollenspiele im Vordergrund stehen, die ein „aktives Zuhören“ gegenüber dem anderen förderten. Seib-Marx gehört zu den ersten Trainerinnen, die vor rund zehn Jahren ausgebildet wurden. Fünf der damals 25 Personen seien noch aktiv dabei, weitere 25 bekämen in den kommenden Wochen ihre Urkunden und kämen dann zum Einsatz, berichteten Direktor Bernhard Kukatzki und Fachreferent Albrecht Gill von der Landeszentrale.

Für Minister Konrad Wolf ist der methodische Ansatz des Trainings von besonderer Bedeutung, der so zu beschreiben sei: „Nicht ich bringe jemanden etwas bei, vielmehr begleite ich Menschen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema.“  Wolf zeigte sich auch dankbar, dass bei der Demokratiebildung eine breite Basis mit Partnern wie dem Diakonischen Werk entstanden sei. „So werden viele Menschen eingebunden und aktiviert, sich gegen Parolen mit Argumenten zu wehren“, so der Minister. Landesdiakoniepfarrer Albrecht Bähr kündigte an, sich weiter an den Trainings zu beteiligen. Er verwies zugleich auf die eigene Fachberatung des DWP für „vorurteilfreie Bildung“. Für Gloria Marinello vom Kita-Referat des Diakonischen Werkes muss das Bewusstsein bei Fachkräften geweckt werden, dass schon bei Kindern Vorurteile bestehen.