5. Mai 2011

Pfarrer Albrecht Bähr, Sprecher der Geschäftsführung der Diakonie in Rheinland-Pfalz„Für immer mehr glücksspielabhängige Menschen sind Geldspielautomaten das große Problem“, sagt Landespfarrer Diakonie Albrecht Bähr. Um für diese Menschen einen wirkungsvollen Spielerschutz zu erreichen, fordert Bähr deutliche Einschränkungen beim Spielhallenbetrieb und an den Spielgeräten. „Es ist notwendig, die Spielhallendichte einzuschränken und damit ihr Suchtpotential zu minimieren“, sagt Bähr weiter. Dadurch würden Abhängigkeiten mit ihren dramatischen Folgen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich erst gar nicht entstehen. Die erforderlichen Änderungen müssten unter anderem im neuen Glücksspielvertrag geregelt werden.

Bereits am 8. September des vergangenen Jahres hat der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil die deutsche Glücksspielregelung, die in staatlicher Hand liegt kritisiert und aufgrund der mangelhaften Bekämpfung der Suchtgefahr für unzulässig erklärt. Unter anderem ist der Europäische Gerichtshof der Meinung, dass Deutschland durch die Werbung für Glücksspiel das Ziel der Suchtbekämpfung unterlaufe. Nun sind die Bundesländer aufgefordert, den Glücksspielstaatsvertrag nachzubessern. Es wurde vereinbart, den Sportwettenmarkt für private Anbieter zu öffnen. Beim Lottomonopol wird sich nichts ändern. Nach wie vor sind die gerätebezogenen Änderungen nicht berücksichtigt, obwohl die Geldspielautomaten von Experten als besonders suchtgefährdend eingestuft werden.

Nach Ansicht von Bähr ist es mehr als fraglich, ob die vorgesehene Neufassung des Staatsvertrages die Forderungen des Europäischen Gerichtshofes nach einem wirkungsvollen Spielerschutz erfüllt, wenn unter anderem deutliche Einschränkungen im Spielhallenbetrieb nicht mit aufgenommen werden. Um einen wirksamen Spielerschutz zu gewährleisten, müssten unter anderem die Gewinn- und Verlusthöhe reduziert werden, ein Spiel statt wie bisher 15 bis 20 Sekunden nur noch fünf Sekunden dauern und nach einer Stunde vollständig unterbrochen werden, ein glaubwürdiges Sozialkonzept der Spielhallenbetreiber entwickelt werden sowie die Spielhallendichte reguliert werden.

Hintergrund: Bundesweite Zahlen und Fakten

Die Mehrzahl der rund 500.000 abhängigen Spieler in Deutschland sind Automatenspieler. Der Markt der Geldspielautomaten wächst ständig und mit ihm auch die Zahl der abhängigen Spieler. Die gewerblichen Geldspielautomaten konnten durch die deutlich wachsende Zahl von aufgestellten Geräten und erhöhter Spielanreize ihren Umsatz um fast sieben Prozent steigern. Sie liegen damit als Umsatzträger erstmalig vor den Glücksspielen in Spielbanken und anderen Glücksspiel-Anbietern. Mit Spielautomaten wurde im letzten Jahr ein Bruttospielertrag von 3,25 Mrd. € erwirtschaftet, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in ihrem „Jahrbuch Sucht 2010“ betont. In etwa 8000 deutschen Spielhallen stehen ungefähr 165.000 Geld-Gewinn-Automaten und 60.000 Gaststätten sind mit 70.000 Geräten bestückt.

Für Rückfragen: Achim Hoffmann, Tel: 06232-664-254, achim.hoffmann@diakonie-pfalz.de