8. April 2015

Die Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme verbessern, Doppelverordnungen von Arzneimitteln vermeiden und Wechselwirkungen erkennen – das sind die Ziele des Modellprojektes „Vernetzte Arzneimitteltherapiesicherheit mit dem elektronischen Medikationsplan in Rheinland-Pfalz“, das das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie nun angestoßen hat. Fünf Kliniken im Bundesland mit eigener Krankenhausapotheke nehmen daran teil.

Eine davon ist das Diakonie Krankenhaus der Stiftung kreuznacher diakonie (DK) in Bad Kreuznach. Über ein halbes Jahr arbeiten die Mitarbeitenden der Apotheke dafür eng mit der Orthopädischen Abteilung im Haus zusammen. Zielgruppe sind Menschen, die dauerhaft mindestens drei Medikamente einnehmen. Für sie soll ein elektronischer Medikamentenplan erstellt werden, den sowohl die Stamm-Apotheke des Patienten als auch der Hausarzt einsehen können – jedoch nur, wenn der Patient damit einverstanden ist. So kann der Patient direkt sehen, welche Medikamente in welcher Dosierung zu welchem Zeitpunkt eingenommen werden sollen. „Gerade für ältere Menschen ist es oft schwer, den Überblick über die verschriebenen Arzneimittel zu behalten. Hier ist ein stets aktueller Plan sehr hilfereich“, erklärt der Leiter der Apotheke im DK, Dr. Klaus Nowak. „Wichtig bei dem Modellprojekt ist, dass der Patient selbst entscheidet, ob er teilnimmt und wenn ja, wer auf seine Daten zugreifen darf.“

Einsicht nur mit Zustimmung des Patienten

Die Apotheke im Krankenhaus hat in der Studie die Aufgabe, den Medikationsplan der Patienten erstmals anzulegen. Aber wie läuft das genau ab? Ein Beispiel: Eine ältere Dame  ist wegen einer Hüft-OP ins Krankenhaus gekommen. Da sie drei verschiedene Medikamente einnimmt, kommt sie für die Studie infrage und erhält Besuch von Apothekerin Dr. Lydia Engel. „Zunächst frage ich die Patientin, ob sie teilnehmen möchte“, erklärt Engel. Wenn sie das Einverständnis der Patientin hat, braucht es auch noch das „Ja“ des Hausarztes und/oder der Stamm-Apotheke. „Dann frage ich ab, welche Medikamente eingenommen werden und trage dies über eine spezielle internetbasierte Portalsoftware in den elektronischen Medikationsplan ein.“ Diesen bekommt die Patientin bei der Entlassung in ausgedruckter Form mit nach Hause. Sollte es Änderungen im Plan geben, so kann der Hausarzt oder die Stamm-Apotheke diese online vornehmen. „Aber auch das geht nur mit Zustimmung der Patientin. Denn diese bekommt eine PIN, und die Apotheke und der Hausarzt erhalten ihre eigenen Zugangsdaten. Der Medikationsplan öffnet sich nur, wenn auch die PIN des Patienten eingegeben wird. Ohne sein Zutun haben weder Arzt noch Apotheke einen Einblick“, informiert Nowak.

Beide Seiten profitieren

Wer an der Studie teilnimmt, weiß immer, dass er die richtigen Medikamente in der richtigen Dosierung einnimmt. Das gibt den Patienten Sicherheit. Dafür nehmen sie gerne in Kauf, dass sie ein Mitarbeiter der Krankenhausapotheke zwei Wochen und sechs Monate nach dem stationären Aufenthalt noch einmal zum Medikamentenplan interviewt. Auch die teilnehmenden Hausärzte und Apotheken werden zu ihrer Meinung über den Medikationsplan befragt.

Dr. Klaus Nowak und seine Mitarbeiter befürworten das Projekt, obwohl es momentan einiges an Mehraufwand mit sich bringt. „Sollte das Modellprojekt in den Regelbetrieb übergehen, würde dies einige Vorteile mit sich bringen“, so der Pharmazeut. Denn dann könnten auch Hausärzte und Apotheken einen Plan für ihre Patienten und Kunden erstellen. „Sobald der Patient dann ins Krankenhaus kommt und schon erfasst ist, wäre es für uns nur noch ein Klick und wir hätten den aktuellen Medikationsplan parat.“ Momentan sei es oft so, dass man sich die Informationen zusammensuchen müsse. „Wir sprechen neben den Patienten oft mit Hausärzten, den Apotheken, den Angehörigen oder Senioreneinrichtungen. Mit dem neuen Plan hätten wir eine aktuelle Liste der verordneten Medikamente sowie der Mittel, die der Patient im Rahmen der Selbstmedikation zusätzlich einnimmt“, informiert Dr. Lydia Engel. Sollte sich das Modellprojekt bewähren, profitieren also alle Beteiligten davon.

Sechs Monate läuft die Studie. Geplant ist, dass 120 Patienten im Diakonie Krankenhaus mitmachen. Danach erfolgt die Auswertung aller Fragebögen. Die Gesundheitsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, verspricht sich von den Ergebnissen einen landes- und bundesweiten Nutzen.