15. Januar 2015

Seit dem 1. Januar 2015 unterhält die Kinder-, Jugend- Familienhilfe kreuznacher diakonie (KJF) in Bad Kreuznach eine Einrichtung für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, also Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen. „Dazu haben wir das Haus Pfingstwiese 7 angemietet“, informiert KJF-Geschäftsführer Rudolf Weber. Zehn Plätze für Mädchen im Alter zwischen sechs und 18 Jahren sowie für Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren stehen hier zur Verfügung. Sechs Fachkräfte kümmern sich um die Flüchtlinge.

Die Mitarbeitenden der KJF sind erfahren auf diesem Gebiet. Bereits 1991 wurde im Kinder- und Jugendheim Niederwörresbach im Hunsrück mit dieser Arbeit begonnen. „Drei Gründe haben uns dazu bewogen, dieses Angebot auch in Bad Kreuznach zu schaffen“, sagt Weber. „Zum einen ist es der steigende Bedarf. Die Kapazitäten in Niederwörresbach haben nicht mehr ausgereicht.“ Des Weiteren gibt es nun in Ingelheim neben Trier die zweite offizielle Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rheinland-Pfalz. Die räumliche Nähe Bad Kreuznachs zu Ingelheim sei ebenfalls ein Argument gewesen. „Und für uns war es wichtig, geeignete Fachkräfte für die Einrichtung zu finden. Das ist in Bad Kreuznach um einiges leichter als beispielsweise auf dem Hunsrück.“

Potential nutzen

Sieben Mädchen aus Eritrea, Somalia und Afghanistan leben bereits im Haus. Ab kommender Woche werden sie die Berufsbildende Schule in Bad Kreuznach besuchen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen kann sich jeden Tag ändern. „Wenn wir etwa einen Anruf aus Trier bekommen, fahren wir direkt dorthin, um den Jungen oder das Mädchen abzuholen.“ Die Flüchtlinge kommen zum sogenannten „Clearing“ in die Einrichtungen der KJF. Das bedeutet, es wird unter anderem danach geschaut, wie alt das Kind oder der Jugendliche ist, wie sich der Gesundheitszustand darstellt, welchen familiären Hintergrund es hat und wie der Bildungsstand ist. Hinzu kommt die Beratung im Asylverfahren, etwa die Begleitung zu Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlingen und den zuständigen Ausländerbehörden. „Wir schauen uns die Ist-Situation an und entwickeln Perspektiven für jeden Einzelnen“, erklärt Weber. Die Mitarbeitenden helfen bei Arztbesuchen, gehen mit den Flüchtlingen zum Einwohnermeldeamt und kümmern sich zusammen mit dem zuständigen Jugendamt um einen Vormund. Von Anfang an ist auch Deutsch lernen angesagt. Direkt im Haus gibt es einen Deutschkurs und auch die Volkshochschulen vor Ort sind mit im Boot.

Die Konzeption sieht vor, dass die Clearingphase nach zwölf Wochen abgeschlossen sein sollte. Danach werden die meisten der minderjährigen Flüchtlinge in unterschiedliche Jugendhilfeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz vermittelt. Sollten Verwandte der Kinder in Deutschland gefunden werden, so kann es auch sein, dass die Kinder dort weiterleben. „Wir sind also die erste Station für die Kinder und Jugendlichen. Wir möchten ihnen einen guten Start ermöglichen und möglichst gute Perspektiven schaffen.“ Weber sieht die Flüchtlinge als „absolute Bereicherung für unsere Arbeit und als Gewinn für die Gesellschaft“. „Da gibt es so viel Potential. Das sollten wir unbedingt nutzen.“