27. November 2014

Das Projekt „Street Doc“ aus Ludwigshafen ist Träger des Helmut-Simon-Preises der Diakonie. In einem Festakt in der Staatskanzlei übergab die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer am gestrigen Abend den von den Diakonischen Werken in Rheinland-Pfalz ausgeschriebenen Helmut-Simon-Preis.

Das ökumenische Projekt „Street Doc“ bietet eine medizinische Mindestversorgung für Menschen an, die aufgrund ihrer sozialen Situation über keinerlei Krankenversicherung verfügen und selbst nicht in der Lage sind, ihre medizinische Versorgung zu finanzieren. Den zweiten Preis erhielt das Projekt „Flair-Festival“ aus Neuwied, der dritte Preis ging an das „Café Lichtblick“ aus Pirmasens. Der Helmut-Simon-Preis wird alle zwei Jahre an Einrichtungen verliehen, die sich für die Überwindung von Armut einsetzen. Mit dem Preis will die Diakonie Mut machen, kreativ, sensibel und solidarisch gegen Armut vorzugehen. Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis ist nach dem 2013 verstorbenen ehemaligen Bundesverfassungsrichter Helmut Simon benannt und ist inzwischen zum vierten Mal vergeben worden. Die „Interessengemeinschaft Layenhof e.V“, Mainz, das „Interkulturelle Zentrum, Katzenbergtreff“, Mainz-Finthen, sowie der Verein „Integration statt Ausgrenzung – Pfälzischer Verein für soziale Rechtspflege“, Kaiserslautern, erhalten jeweils einen Sonderpreis.

Der pfälzische Kirchenpräsident und Vorsitzende der Jury zur Verleihung des Helmut-Simon-Preises, Christian Schad, würdigte die Preisträgerinnen und Preisträger als „leuchtende Beispiele und wunderbare Menschen, die unserem Bundesland ein humanes und soziales Antlitz verleihen“. Schad dankte Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die  erstmalig die Schirmherrschaft über den Helmut-Simon-Preis übernommen hatte.  „Dass wir diese Preisverleihung in der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz, hier, in Mainz, vornehmen, ist ein äußeres Zeichen des gemeinsamen Zieles, dafür Sorge zu tragen, dass Menschen, gleich, woher sie kommen, gleich, mit welcher Behinderung sie leben, gleich, welcher Religion sie angehören, oder wie sie sich sexuell orientieren, Teil unserer Gesellschaft sind, die wir achten und integrieren und von deren Fähigkeiten wir lernen wollen“, sagte Schad.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte bei der Verleihung: „Ich habe gerne die Schirmherrschaft für den Helmut-Simon-Preis der Diakonie Rheinland-Pfalz übernommen, denn der Preis setzt ein Zeichen gegen die Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen, die aufgrund von Armut, Behinderung, Herkunft oder sozialer Notlage am Rande der Gesellschaft leben.“

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, der den Preis im Jahr 2005 ins Leben gerufen hatte, sagte in seiner Laudatio: „Weil Demokratie zivilgesellschaftlich gelebt werden muss, vergeben wir den Helmut-Simon-Preis. Alle Preisträgerinnen und Preisträger stehen beispielhaft dafür.“ Die Jury habe aus einer großen Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern die Preisträger ausgewählt. Alle, die sich beworben haben, verdienten überaus großen Dank, Anerkennung und Respekt: „Weil Sie sich leidenschaftlich und kompetent einsetzen für den sozialen Zusammenhalt und für eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Hilfesysteme“, so Gern. Im Blick auf den Namensgeber des Preises, den im Jahr 2013 verstorbenen Bundesverfassungsrichter Helmut Simon, erinnerte er daran, dass Helmut Simon wichtige Anstöße zu Sozialethik und Sozialstaat und Impulse zur Weltverantwortung der Kirchen gegeben habe. „Unser Land ist auf soziale Bewegungen angewiesen, die den Finger in die Wunde legen und zur Erneuerung und zum Zusammenhalt unseres Gemeinwesens beitragen. Gleichzeitig darf dieser zivilgesellschaftliche Einsatz den Sozialstaat nicht aus seiner Verantwortung entlassen. Helmut Simon hat uns gelehrt: Wir müssen immer wieder stören und lästig werden mit der beharrlichen Frage, warum und in wessen Interesse das Notwendige in Sachen Gerechtigkeit unterbleibt. Wo unser Preis auch diese Frage nicht unterdrückt, ist er ein Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit in unserer reichen Gesellschaft“, sagte der hessische Diakonie-Chef Gern.

Ministerpräsidentin Dreyer hatte zuvor weiter gesagt: „Mir ist eine Gesellschaft, in der alle dazu gehören und gleiche Teilhabechancen haben, sehr wichtig. Die Alternative dazu wäre, dass Menschen wegen bestimmter Eigenschaften ausgegrenzt und abgewertet werden. Das darf nicht sein. Klar ist auch, dass der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft harte Arbeit für uns alle ist. Die Preisträgerinnen und Preisträger gehen mit positivem Beispiel voran. Sie setzen sich für die Überwindung von Armut und die gesellschaftliche Integration Betroffener ein und tragen zu einem vernetzten Hilfesystem bei.“

Stichwort: Helmut Simon (*1922; † 2013)

Der 1922 geborene Helmut Simon begann im Mai 1953 seine richterliche Tätigkeit am Landgericht in Düsseldorf. Von dort wurde er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Bundesgerichtshof abgeordnet. Anschließend erfolgte die Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf. Im Jahr 1965 wurde Helmut Simon zum Richter am Bundesgerichtshof gewählt, im Juni 1970 erfolgte die Ernennung zum Richter des Bundesverfassungsgerichts im Ersten Senat. Diesem gehörte er – nach Wiederwahl im September 1975 – bis zum Eintritt in den Ruhestand im November 1987 an. Neben seiner richterlichen Tätigkeit war Helmut Simon in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich und kirchlich engagiert. So war er von 1970 bis 1995 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Als Präsident stand er diesem von 1975 bis 1977 und von 1987 bis 1989 vor. Darüber hinaus war er unter anderem mehrere Jahre lang Deutscher Delegierter für das Antirassismus-Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen mit Sitz in Genf.

Stichwort: Helmut-Simon-Preis

Der Preis wurde erstmals im Juni 2005 auf Initiative von Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, damals Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, als Preis der drei Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz für die besten Projekte der Wohnungslosenhilfe ausgelobt und im Dezember 2006 mit Karl Peter Bruch, damaliger stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister in Rheinland-Pfalz und Jurymitglied, verliehen. Gern konnte wenig später den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Helmut Simon als Namensgeber für den Preis gewinnen. Der Preis wird seitdem alle zwei Jahre als Helmut-Simon-Preis für innovatives ehrenamtliches und professionelles Handeln von Personen, Initiativen oder Institutionen, die sich für die Überwindung von Armut und sozialer Ausgrenzung einsetzen, verliehen. Drei Mal wurde er durch Ministerpräsident Kurt Beck verliehen. Heute wird die Auszeichnung durch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgenommen.

Träger des Preises sind die Diakonie Hessen, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz sowie die Diakonie in Rheinland-Westfalen-Lippe.

Weitere Informationen über den Helmut-Simon-Preis gibt es bei: Pfarrer Albrecht Bähr, Sprecher der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz, Große Bleiche 47, 55116 Mainz, Tel: 06131 / 32741-20, E-Mail: sekretariat@evkirchen-diakonie-rlp.de