11. September 2014

Dass „soziale Gerechtigkeit kein kalter Selbstzweck ist, sondern das Ziel hat, dass alle ohne Ausnahme den Frieden Gottes erfahren“, das hat der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, heute beim Jahresempfang der Diakonie Hessen in Frankfurt am Main betont.

Vor 341 angemeldeten Gästen aus Kirche, Gesellschaft und Politik sagte Gern in der Peterskirche weiter: „Es geht darum, dass Menschen einander gerecht werden.“ Dies zeige sich in der Inklusion ebenso wie in einer menschenwürdigen Pflege, in einer Willkommenskultur für Flüchtlinge und auch in der öffentlich geförderten Beschäftigung und in einem menschenwürdigen Existenzminimum. Die Gerechtigkeitsfrage sei zuerst eine Politikfrage. Denn die Politik müsse sicherstellen, dass die wirtschaftliche Leistungskraft des Ganzen dem Gemeinwesen dienlich ist. „Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen – und nicht umgekehrt. Wir dürfen die Politik nicht aus der Rolle entlassen, dass sie zur Regulierung sozialer Gerechtigkeit die Erstpflicht hat. Die Ausschreitungen in vielen europäischen Städten machen deutlich, dass sozialer Friede keine Selbstverständlichkeit ist und dass Gerechtigkeit und Frieden zusammengehören. Wenn wir als Gesellschaft sozialen Frieden wollen, müssen wir in diesen Frieden investieren. Wir wollen Öffentlichkeit und Politik für Menschlichkeit und sozialen Frieden gewinnen“, sagte Diakonie-Chef Gern im Blick auf das Motto des Jahresempfangs „…dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen“.


In der Andacht hatte Pfarrer Horst Rühl, theologischer Vorstand der Diakonie Hessen, Bezug auf die Jahreslosung „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“ genommen. „Gott selbst hat sich den ungerechten Mächten und den gesellschaftlichen Wirkkräften ausgesetzt und ist den Menschen nahe gekommen. In Jesus hat er sein 'Trotzdem' zu den Machtverhältnissen gesprochen. Dies fordert uns bis heute dazu auf, unser Leben so zu gestalten, dass gerade Menschen in Not und Bedrängnis unsere höchste Aufmerksamkeit erfahren. Glück wächst dort, wo alle Menschen einer Gesellschaft zusammengehören und füreinander verantwortlich sind“, so Landeskirchenrat Horst Rühl.


Auf dem Podium diskutierten Staatsminister Stefan Grüttner, Minister für Soziales und Integration in Hessen, Pfarrerin Ulrike Scherf, die Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, und Katrin Wienold-Hocke, Pröpstin des Sprengels Kassel. Holger Weinert vom hr-Fernsehen moderierte das Gespräch.

Stichwort:
Diakonie Hessen, der soziale Dienst der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck
Die Diakonie Hessen - Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e.V. ist der soziale Dienst der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN) und Kurhessen-Waldeck (EKKW). Als Mitglieder- und Trägerverband für das Evangelische Sozial- und Gesundheitswesen und Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege ist sie in Hessen, Rheinland-Pfalz und im thüringischen Schmalkalden tätig.


Derzeit gehören der Diakonie Hessen 430 Rechtsträger an einschließlich Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Gesellschaften sowie 47 Dekanate der EKHN und 24 Kirchenkreise der EKKW. Es gibt 1.360 Einrichtungen, Angebote und ambulante Dienste unter anderem in den Bereichen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, in der Alten- und Krankenpflege, in der Sucht- und Behindertenhilfe, in der Migrations- und Flüchtlingsarbeit oder in der Beratung von Menschen mit sozialen Schwierigkeiten. Zur Diakonie Hessen gehören 31 regionale Diakonische Werke.


Etwa 39.000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in diakonischen Einrichtungen in der Diakonie Hessen, knapp 54.000 engagieren sich ehrenamtlich. Allein in der Landesgeschäftsstelle der Diakonie Hessen in Frankfurt am Main und am Standort Kassel arbeiten knapp 200 Mitarbeiter.


An der Spitze des Landesverbandes steht Pfarrer Dr. Wolfgang Gern als Vorstandsvorsitzender. Den Vorstand komplettieren Dr. Harald Clausen, juristischer Vorstand, Wilfried Knapp, kaufmännischer Vorstand, sowie Landeskirchenrat Horst Rühl, theologischer Vorstand.


Den Vorsitz im Aufsichtsrat, dem Kontrollgremium, der Diakonie Hessen hat Pfarrer Joachim Bertelmann. Vorsitzender der Mitgliederversammlung ist der ehemalige rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD).