30. Juli 2014

Die Diakonie in Rheinland- Pfalz erneuert ihre grundsätzliche Kritik am Betreuungsgeld und warnt gleichzeitig vor einer Stigmatisierung benachteiligter Familien, die Betreuungsgeld beantragen.

Seit August 2013 k√∂nnen Eltern, die ihre Kleinkinder weder in einer Kindertagesst√§tte noch von einer Tagesmutter betreuen lassen, vom 15. Lebensmonat bis zum dritten Lebensjahr auf Antrag monatlich 100 Euro Betreuungsgeld erhalten. Ab 1. August dieses Jahres wird das Betreuungsgeld auf 150 Euro f√ľr alle Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr erh√∂ht.

Die Diakonie in Rheinland- Pfalz erneuert ihre grunds√§tzliche Kritik am Betreuungsgeld und warnt gleichzeitig vor einer Stigmatisierung benachteiligter Familien, die Betreuungsgeld beantragen. Eine jetzt bekannt gewordene Studie des Deutschen Jugendinstitutes und der Universit√§t Dortmund hatte gezeigt, dass durch das Betreuungsgeld insbesondere benachteiligte Familien auf fr√ľhkindliche Bildungsangebote f√ľr ihre Kinder verzichten.

"Wir m√ľssen die Studienergebnisse differenziert betrachten und wenden uns¬† gegen das f√§lschlich in der √Ėffentlichkeit entstandene Bild benachteiligter Familien, die lieber jetzt Geld einstreichen als an die Zukunft ihrer Kinder zu denken",sagt der pf√§lzische Diakoniepfarrer Albrecht B√§hr, der zugleich Sprecher der Diakonie in Rheinland-Pfalz ist. B√§hr weist darauf hin, dass das Betreuungsgeld mit den Leistungen aus dem ALG II verrechnet wird. "Das ist f√ľr diesen Personenkreis also definitiv keine M√∂glichkeit, zus√§tzlich Geld zu erhalten."

"Das Betreuungsgeld ist bildungs- und familienpolitisch ein v√∂llig falsches Signal. Wir stecken in Deutschland 200 Milliarden Euro j√§hrlich in mehr als 150 Einzelma√ünahmen f√ľr Familien und Ehepaare. Ganz offensichtlich helfen aber wir den wirklich bed√ľrftigen Familien damit nicht. Das ist die traurige Realit√§t, die wir in unserer Beratung erleben", stellt B√§hr fest. Das Geld sollte viel gezielter in Ma√ünahmen f√ľr eine familienfreundliche Infrastruktur gesteckt werden statt Mitnahmeeffekte f√ľr Familien mit mittleren und oberen Einkommen zu finanzieren.

"Mit dem Betreuungsgeld machen wir genau das Gegenteil: Wir zahlen daf√ľr, dass Familien diese m√ľhsam aufgebaute Infrastruktur nicht in Anspruch nehmen. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund oder aus prek√§ren Verh√§ltnissen brauchen die Chancen und M√∂glichkeiten einer Kindertageseinrichtung, um in ihrer Entwicklung besser gef√∂rdert zu werden", sagt der Sprecher der Diakonie Rheinland-Pfalz und lobt dabei ausdr√ľcklich die Beitragsfreiheit der Kinderbetreuung f√ľr Kinder ab zwei Jahre in rheinland-pf√§lzischen Kindertagesst√§tten.

"Wir sind da auf dem richtigen Weg. Unserer Erfahrung nach w√ľnschen sich die Eltern v√∂llig unabh√§ngig von ihrem sozialen Status und ihrem Bildungshintergrund eine qualitativ gute Betreuung ihrer Kinder in Kitas. Auch den sogenannten bildungsfernen Schichten und Familien aus prek√§ren Verh√§ltnissen ist die F√∂rderung ihrer Kinder wichtiger als Bargeld."

Durch die beitragsfreie Betreuung von Kindern ab zwei Jahren stelle das Land Rheinland-Pfalz die Eltern von Kindern dieser Altersgruppe nicht vor die Situation, hohe Betreuungskosten und Betreuungsgeld gegeneinander aufrechnen zu m√ľssen. Das Betreuungsgeld verliere damit als Argument und Anreiz gegen die Kita an Zugkraft.

"In diesem Punkt sind wir in Rheinland-Pfalz mit der Beitragsfreiheit Vorbild f√ľr andere Bundesl√§nder. Auf diesem Weg m√ľssen wir weitergehen und qualitativ hochwertige Bildungsangebote fl√§chendeckend weiter ausbauen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf voranbringen", sagt Diakoniepfarrer B√§hr.

Durch Bildung, Betreuung und Erziehung in einer Kindertageseinrichtung sehe die Diakonie eine gr√∂√üere Chancengerechtigkeit f√ľr benachteiligte Kinder und schl√§gt deshalb vor, die f√ľr das Betreuungsgeld geplanten Mittel von bis zu 1,2 Milliarden Euro in die Qualit√§t der Kindertagesbetreuung zu investieren.