7. Juli 2014

Die Wahrscheinlichkeit, eineiige Drillinge zu bekommen, ist in etwa so hoch, wie die sechs richtigen Zahlen auf dem Lottoschein anzukreuzen. Der Hauptgewinn von Sonja und Sven Bley aus Stromberg heißt Ida, Hannah und Süske. Am 20. März kamen die Drei zur Welt. Dabei hätten sie noch so lange Zeit gehabt. Denn der errechnete Geburtstermin war der 5. Juli, also morgen.


Am Morgen des 20. März zeigt sich, dass Süske nicht mehr richtig versorgt wird. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Sonja Bley gerade mal in der 25. Schwangerschaftswoche. Die Mädchen müssen per Not-Kaiserschnitt geholt werden. „Das war im ersten Moment ein Schock“, erinnert sich Sonja Bley. „Alles ging so schnell.“ Um die 15 Ärzte und Pflegekräfte sind bei der Geburt dabei und versorgen Mutter und Kind. Hannah ist mit 580 Gramm und 31 Zentimeter die Größte, Ida wiegt 550 Gramm und ist 29 Zentimeter klein, Süske – deren Name übrigens „kleine Schwester“ bedeutet – hat ein Geburtsgewicht von 470 Gramm und eine Größe von 28 Zentimetern. Papa Sven ist bei der Geburt dabei. „Klar war das ein besonderer Moment. Ich hatte aber in erster Linie Angst um meine Kinder und um meine Frau“, sagt der 44-Jährige.

Die Babys kommen auf die Kinderintensivstation und werden direkt professionell versorgt. Sonja und Sven Bley dürfen noch am selben Tag zu ihnen. „Als ich Süske zum ersten Mal gestreichelt habe, hat sie ihr Händchen gehoben, als wolle sie sagen ‚Mama, da bin ich, es ist alles ok‘“, sagt Sonja und lächelt. „Ein unvergesslicher Augenblick.“ Dann beginnt eine Achterbahnfahrt. Mal geht es den Kleinen besser, mal gibt es neue Probleme. Vor allem Süske macht den Ärzten und den Eltern Sorgen. Es gibt Schwierigkeiten mit der Lunge, mit dem Darm und dem Zwerchfell. Verwandte und Freunde, Mitarbeiter im Krankenhaus und die Kollegen der Bleys, alle drücken ganz fest die Daumen, dass alles gut geht.

Herz-OP bei allen drei Kindern 

Besonders nötig ist das am 8. April. An diesem Dienstag kommt Kinderherzchirurg Professor Dr. Tsvetomir Loukanov vom Universitätsklinikum Heidelberg ins Diakonie Krankenhaus und operiert alle drei Mädchen am Herzen. „Das war medizinisch gesehen der kritischste Moment“, erinnert sich der Chefarzt der Kinder- und Jugendabteilung im Diakonie Krankenhaus, Dr. Christoph von Buch. „Von da an ging es bergauf.“ Nach den geglückten OPs können auch die Eltern erst einmal aufatmen. Im Juni tauchen bei Süske dann Probleme mit den Augen auf. Sie muss in die Uniklinik Mainz verlegt und dort operiert werden. „Hoffentlich war das die letzte OP“, so Papa Sven.

Das hofft auch von Buch, für den das Versorgen von Drillingen etwas Seltenes ist. „Drillinge werden hier nur alle paar Jahre geboren.“ Obwohl die Drei eineiig sind, unterschieden sie sich von Beginn an. „Ob Ida, Hannah oder Süske, jede hat uns immer ganz individuelle Signale gesendet, was sie will und braucht. Nicht wir geben den Weg vor, sondern die Babys selbst.“ Dieser Weg war bisher sehr steinig. „Aber wenn ich die Drei heute sehe, weiß ich, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe“, erklärt von Buch. „Und mit so einem tollen Team wie hier, macht die Arbeit doppelt Freude.“
Im Diakonie Krankenhaus fühlt sich die Familie „super aufgehoben.“ „Wir haben großes Vertrauen. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, immer ist jemand für uns da“, sagt Sven Bley. „Als wir mit Süske in Mainz waren, haben wir deutlich gespürt, wie familiär es in Kreuznach zugeht. Hier sind wir nicht irgendeine Nummer.“ Seine Frau ergänzt: „Wichtig sind auch der kurze Anfahrtsweg und dass alle direkt mit offenen Karten gespielt haben. Zu jedem Zeitpunkt, auch wenn es kritisch um unsere Kleinen stand, wussten wir Bescheid.“

Trotzdem freuen sich die Eltern, wenn es endlich nach Hause geht. Wann, das hängt in erster Linie von der weiteren Entwicklung Süskes ab. Vom Gewicht her sieht es gut mit 2.910 Gramm bei Ida, 2.870 Gramm bei Hannah und 2.500 Gramm bei Süske gut aus. Aber vor allem die Kleinste braucht noch Sauerstoff und schafft es noch nicht, alleine zu trinken. „Unser Ziel ist es, das Trio zusammen zu entlassen“, informiert von Buch. Die Zeit in der Stiftung kreuznacher diakonie liegt dann aber noch nicht ganz hinter den Bleys. Denn zur Nachbetreuung werden sie immer mal wieder nach Bad Kreuznach kommen.

Zu Hause in Stromberg ist alles vorbereitet. Das Kinderzimmer ist eingerichtet, die Elternzeit von Sven und Sonja Bley genehmigt. „Momentan sind wir noch dran, eine Haushaltshilfe zu bekommen“, sagen Sonja Bley. „Hoffentlich klappt das.“ Nach der Ankunft wird es auf jeden Fall eine riesige Party geben. Ganz klar, so ein Hauptgewinn muss ordentlich gefeiert werden!