3. Juni 2013

Stefan Gillich, Obdachlosenhilfe (DWHN)Nationale Armutskonferenz und Evangelische Obdachlosenhilfe tagen nĂ€chste Woche in Darmstadt – Zum Auftakt Mail-Art-Projekt zur Situation wohnungsloser Menschen – Eröffnung am 5. Juni mit DarmstĂ€dter OberbĂŒrgermeister Jochen Partsch

Wohnungslosigkeit und Armut stehen im Fokus zweier bundesweiter Veranstaltungen, die in der kommenden Woche zeitgleich in Darmstadt stattfinden: Am Mittwoch und Donnerstag, dem 5. und 6. Juni, tagt die Nationale Armutskonferenz (nak) im Justus-Liebig-Haus, große Bachgasse 2, in Darmstadt. Ihr Thema ist „SGB II und soziale Gerechtigkeit: Passt das zusammen?“. Ebenfalls am 5. Juni lĂ€dt die Evangelische Obdachlosenhilfe (EVO) in die hessische Wissenschaftsstadt zu einer Fachtagung mit dem Titel „Recht auf Wohnen“ in das Hotel und Restaurant Bockshaut, Kirchstraße 7-9, ein.

Wieder eine andere Perspektive auf die Themen Wohnungslosigkeit und Armut bietet schließlich die Mail-Art-Kunstaktion „Friede den HĂŒtten – Krieg den PalĂ€sten“, mit der der ehemals wohnungslose KĂŒnstler Norbert Koczorski zu einer weltweiten Aktion aufgerufen hat und die am Mittwoch, dem 5. Juni, um 18 Uhr im Justus-Liebig-Haus mit dem DarmstĂ€dter OberbĂŒrgermeister Jochen Partsch und dem KĂŒnstler eröffnet wird. Die Veranstaltungen finden in enger Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk in Hessen und Nassau statt.


MÀnner und Frauen erzÀhlen von Armut und Wohnungslosigkeit
AnlĂ€sslich der Ausstellungseröffnung werden MĂ€nner und Frauen, die von Armut und Wohnungslosigkeit betroffen sind, bei Interesse ĂŒber ihre Situation berichten. Ebenfalls dabei sind nak-Sprecher Joachim Speicher (geschĂ€ftsfĂŒhrender Vorstand des ParitĂ€tischen Wohlfahrtsverbandes in Hamburg), fĂŒr die EVO deren Vorsitzender Jens Rannenberg (Hannover) sowie Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender Diakonisches Werk in Hessen und Nassau (DWHN, Frankfurt).
In dem Mail-Art-Projekt „Friede den HĂŒtten – Krieg den PalĂ€sten“ sind dem KĂŒnstler Briefe, Karten, Objekte und GegenstĂ€nde zugeschickt worden, die die Thematik Armut und Wohnungslosigkeit aufgreifen. Die gesammelten Mail-Art-Objekte dieses weltweiten Kulturnetzwerkes werden vom  6. Juni bis 12. Juli 2013 im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt zu sehen sein.
In seiner ProjektankĂŒndigung beschreibt Kosczorski: „Ich bin kein Radikaler, aber es reichte mir. So fasste ich den Entschluss, das JubilĂ€umsjahr zum 200. Geburtstag von Georg BĂŒchner zu dem Mail-Art-Projekt ,Friede den HĂŒtten – Krieg den PalĂ€sten‘ aufzurufen“. Der Titel geht auf den gleichnamigen Satz Georg BĂŒchners aus dem Jahr 1834 zurĂŒck.


Stichwort: Mail-Art-Kunst
Die Mail-Art-Kunst hat ihre AnfĂ€nge in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Als Mail-Art bezeichnet man die im Netz eines Postdienstes gesendeten Briefe, Karten, GegenstĂ€nde und Dokumentationen von Aktionen, Ausstellungen und Kunstprojekten, die von den Mail-Art KĂŒnstlern produziert, versendet, gesammelt und archiviert werden. Mail-Art wird von den Beteiligten als Netzwerk verstanden, das jedem offen steht, gleich, ob man sich als KĂŒnstler oder nicht versteht. Mail-Art hat einen unkommerziellen Charakter, pflegt Distanz zum Kunstmarkt und hat nichts mit dem Kommunikationsmittel E-Mail zu tun.

Die Evangelische Obdachlosenhilfe in Deutschland e.V. hat beschlossen, dieses Projekt zeitgleich zur Nationalen Armutskonferenz und in enger Kooperation mit dem EAPN (European Anti-Poverty Network) und dem Diakonischen Werk in Hessen und Nassau zu unterstĂŒtzen und zu begleiten.
Andreas Pitz, Mitarbeiter des Diakonischen DWHN, langjĂ€hriger Kurator und Projektleiter der erfolgreichen Wanderausstellung „Kunst trotzt Armut“, betreut und begleitet das neue Projekt. Zur Ausstellung wird ein Katalog herausgegeben.

Stichwort: Georg BĂŒchner
Der Schriftsteller Georg BĂŒchner (1813 – 1837) wurde in Goddelau bei Darmstadt geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Darmstadt immatrikulierte sich BĂŒchner zunĂ€chst an der medizinischen FakultĂ€t in Straßburg und wechselte spĂ€ter zur UniversitĂ€t Gießen. Im Kampf gegen die reaktionĂ€ren ZustĂ€nde im Großherzogtum Hessen grĂŒndete Georg BĂŒchner im FrĂŒhjahr 1834 in Gießen und Darmstadt im Untergrund Sektionen der "Gesellschaft der Menschenrechte" und verfasste zusammen mit Friedrich Ludwig Weidig aus Butzbach die sozialrevolutionĂ€re Flugschrift "Der Hessische Landbote", in der es hieß: "Friede den HĂŒtten, Krieg den PalĂ€sten".
 
Informationen zur Ausstellung
Friede den HĂŒtten – Krieg den PalĂ€sten
200 Jahre Georg BĂŒchner
Mail-Art-Ausstellung
6. Juni bis 12. Juli 2013
Justus-Liebig-Haus, Foyer, Große Bachgasse 2, 64283 Darmstadt
Eintritt frei.
Öffnungszeiten: Dienstag: 9 – 19 Uhr, Mittwoch: 10 – 17 Uhr, Donnerstag: 10 – 19 Uhr, Freitag: 10 – 17 Uhr, Samstag: 10 – 15 Uhr, Sonntag und Montag: geschlossen

Veranstalter: Evangelische Obdachlosenhilfe in Deutschland e. V., Diakonisches Werk in Hessen und Nassau e .V.; Kooperationspartner: Nationale Armutskonferenz

Weiteres Programm:
5. Juni
Fachtagung der Evangelischen Obdachlosenhilfe in Deutschland e.V. (EVO) in Darmstadt zum Thema „Wohnungspolitik und Wohnraumversorgung“, Hotel und Restaurant Bockshaut.
Weitere Informationen: Evangelische Obdachlosenhilfe Berlin, Caroline-Michaelis-Straße 1, 10115 Berlin, 030/65211-1644
5. und 6. Juni
Treffen von Menschen mit Armutserfahrungen (nak);         Justus-Liebig-Haus, Darmstadt, Große Bachgasse 2
Weitere Informationen: Christian Böhme, nak-Pressearbeit, 040/41520159, 0172/4181982
6. und 7. Juni
FĂŒhrung durch die Ausstellung: jeweils 11, 14 und 16 Uhr
11. Juni, 19 – 21 Uhr
Diskussionsveranstaltung: Reichtum, Macht und Politik - Auch Reichtum muss ein Thema der Politik sein.
Mit: Prof. Peter Imbusch (Soziologe, Bergische UniversitĂ€t Wuppertal), Dr. Dieter Lehmkuhl (Arzt, Initiative Vermögende fĂŒr eine Vermögensabgabe), Michael Freiherr Truchseß von Wetzhausen (ehemaliger Managing Director Deutsche Bank, Vorsitzender Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer).
16. Juni, 19.30 Uhr
Gottesdienst, Evangelische Stadtkirche
„Friede den HĂŒtten – Krieg den PalĂ€sten“
Mitwirkende: Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau; Pfarrerin Anita Gimbel-BlÀnkle, Stadtkirchenpfarrerin; Stefan Weiller und Studierende der Evangelischen Hochschule Darmstadt