27. April 2013

Gottesdienst im Speyerer Dom; Bildnachweis: Caritasverband

1000 Besucher beim ökumenischen Gottesdienst im Dom beim „Tag der Begegnung – Bühnenprogramm im Dom als schönste Form der Verkündigung

Speyer, 29. April 2013. Auf besondere Weise hat sich am Samstag das Motto des „Tages der Begegnung“ am Speyerer Dom bewahrheitet: „Wege in die Gemeinde“ wollten die rund 500 TeilnehmerInnen suchen. Weil das Wetter dem Programm auf der Außenbühne in die Quere kam, stellten die Gruppen sich im Altarraum des Doms vor. Die Organisatoren von Caritasverband und Diakonie hatten diese Verlegung spontan beschlossen.

„Das ist die schönste Form der Verkündigung“, freute sich Albrecht Bähr, Landespfarrer für Diakonie der Ev. Kirche der Pfalz. „Es ist so toll, das Programm im Dom stattfinden zu lassen, denn da gewinnen wir auch das Zufallspublikum. Das ist Inklusion im Wortsinn. Ein echtes kleines Volksfest.“

Alle drei Jahre findet der „Tag der Begegnung“ statt. In diesem Jahr beschritten die Veranstalter gleich zwei neue Wege: Zum ersten Mal feierten die Menschen aus allen Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie der Diakonie und des Caritasverbandes gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst im Dom. Und zum ersten Mal zeigten die Gruppen ihr Bühnenprogramm im Dom, was dem Motto „Wege in die Gemeinde“ in besonderer Weise entsprach.

„Wie sehr habe ich mich auf diesen Tag gefreut.“ So eröffnete Albrecht Bähr den ökumenischen Gottesdienst. „Zum ersten Mal feiern wir gemeinsam.“ Diese Freude empfanden wohl auch die rund 1000 Gottesdienstbesucher im vollbesetzten Dom und drückten diese in spontanem Applaus aus. Die Freude bezog Bähr aber nicht nur aus dem ökumenischen Miteinander, sondern auch aus dem Tagesevangelium, der Offenbarung des Johannes: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Und Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu.“
„Ich freue mich auf etwas, das Gott versprochen hat“, so Bähr. „Alles was uns plagt, ist bei dem Fest Gottes mit den Menschen nicht mehr vorhanden.“

Für den neuen Himmel, die neue Erde, die heilige Stadt und die geschmückte Braut aus dem Bibeltext hatten die Gottesdienstbesucher farbige Bänder in blau, grün, gelb und rot.

Blau für einen neuen Himmel, unter dem Freundlichkeit unter den Menschen herrscht, Grün für eine neue Erde, auf der so viele Pflanzen wachsen, dass es keinen Hunger mehr gibt. Rot für die geschmückte Braut und die Liebe unter den Menschen. Gelb für die heilige Stadt, in der es keine Grenzen und Hindernisse mehr gibt. Eine schöne Vorstellung: die heilige Stadt aus der Offenbarung des Johannes ist – barrierefrei.

Ein schönes Inklusionsprojekt, das den Weg in die Gemeinde zumindest für diesen Tag schon gefunden hatte, war der inklusive Chor der Pirminius-Werkstatt Pirmasens mit dem Chor „Kreuz und Quer“ aus Busenberg, in dem rund 50 SängerInnen und InstrumentalistInnen gemeinsam den Gottesdienst gestalteten.

„Wege in die Gemeinde“ scheitern im Alltag der Menschen mit Behinderung aber nicht nur an baulichen Barrieren. „Gemeinden haben es mit allen menschlichen Lebenssituationen zu tun. Krankheit, Heilung, Gesundheit und unterschiedliche Formen der Behinderung“, erklärte Weihbischof Otto Georgens, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge für Menschen mit Behinderung. „Dennoch hört man häufig, auch von Hauptamtlichen in der Seelsorge, dass bei Ihnen Menschen mit Behinderungen gar nicht vorkommen. Das kann selbstverständlich möglich sein, aber in vielen Fällen werden diese Menschen auch übersehen.“

Der Caritasvorsitzende und Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer konnte dem schlechten Wetter viel abgewinnen. „So werden aus Wegen in die Gemeinde Wege in den Dom. Dass Menschen mit Behinderung sich auf der Hauptbühne des Domes mit ihren Ideen und ihrem Leben zeigen, ist ergreifend und passt zur Motivation für diesen Tag.“

Bei einem Vorbereitungsworkshop mit 28 TeilnehmerInnen hatten sich Menschen mit Behinderungen mit Fragen beschäftigt, wie: Wie kann ich Messdienerin werden? Was passiert bei einer Beerdigung? Kann ich in die Gruppenstunde kommen? Wie kann ich einen Termin beim Pfarrer bekommen und wie muss ich mich dann verhalten? Nach dem ersten Treffen wurden die Teilnehmer mit einem Arbeitsauftrag losgeschickt, um in ihrer Gemeinde zuhause diese Fragen mit dem Pfarrer zu beantworten. Ihre Ergebnisse stellten die Teilnehmer beim Bühnenprogramm im Dom vor.

Andere „Wege in die Gemeinde“ boten die Tanz-, Theater- und Jonglage-Gruppen, die sich im Dom präsentierten. Eine Gruppe der Westpfalzwerkstätten Siegelbach des Gemeinschaftswerks für Menschen mit Behinderung zeigte unter dem Titel „Eine ehrenwerte Gesellschaft“, wie Menschen mit Behinderung aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, und dass Inklusion nur gelingt, wenn sich auch die, die es vermeintlich nichts angeht, darum bemühen.

Die Theatergruppe „Crazy Bethestakel“ der Diakonissen des Bethesda in Landau kam am Ende ihres Stückes zu dem Fazit: „Wir sind alle individuell und alle irgendwie grazy!“

Ein besonderer Hingucker war die Jongelage-Gruppe „Combinationi“ der Ludwigshafener Werkstätten des Gemeinschaftswerks. Jongelage mit großen Petsy-Bällen und Ringen, Pantomime mit Leiter, Zaubereien aus einem goldenen Glitzermantel – die fünfköpfige Gruppe verbreitete im altehrwürdigen Dom eine anrührende Atmosphäre.

Alle Angebote von Gruppen aus Einrichtungen der Diakonie und des Caritasverbandes wurden im Vorfeld des „Tages der Begegnung“ in einer Broschüre gesammelt, die an alle Einrichtungen, Pfarreien und Gemeinden verschickt wird. Unter dem Motto „Wir lassen uns buchen – Sie müssen nicht suchen!“, bieten 24 Gruppen Theater, Musik, Catering und Ausstellungen an, die für Pfarr- und Gemeindefeste, aber auch privat gebucht werden können. Auch darüber sollen sich „Wege in die Gemeinde“ eröffnen.
 

Die Broschüre kann bestellt oder heruntergeladen werden unter:
 

Caritasverband für die Diözese Speyer
Obere Langgasse 2
67346 Speyer
Telefon 06232 / 209 135
www.caritas-speyer.de

und

Diakonisches Werk Pfalz
Karmeliterstraße 20
67346 Speyer
Telefon 06232 / 664 202
www.diakonie-pfalz.de