12. Dezember 2012

Landestelle fĂĽr Suchtfragen befĂĽrchtet SchlieĂźung von Beratungsstellen in Rheinland-Pfalz


Die finanzielle Absicherung der Alkohol- und Drogenberatungsstellen in Rheinland-Pfalz istnicht ausreichend. Die Träger –überwiegend Verbände der freien Wohlfahrtspflege wie beispielsweise Caritas und Diakonie – zahlen meist über die Hälfte der Kosten. In Zeiten von weg brechenden Kirchensteuereinnahmen können viele kirchliche Träger die Arbeit, wegen der ungenügenden öffentlichen Förderung, nicht weiter bewältigen. So prüft das Diakonische Werk Pfalz gegenwärtig die Überleitung von Suchtberatungsberatungsstellen an andere Träger. Sollte dies nicht zum Erfolg führen und Zuschüsse nicht deutlich erhöht werden, droht die Schließung von Beratungsstellen. An anderen Orten unseres Bundeslandes musste man bereits Stellen reduzieren.


In Rheinland-Pfalz wurden in den letzten Jahrzehnten bedarfsgerechte und ausdifferenzierte ambulante Hilfen für suchtkranke Menschen aufgebaut – hierbei engagierten sich die Wohlfahrtsverbände gemeinsam mit Kommunen und Land. Das Land Rheinland-Pfalz zahlt allerdings nur bis zu 25 Prozent der Personalkosten – mit Ausnahme von Sonderprojekten. Die meisten Kommunen finanzieren in ähnlicher Höhe, so dass bei den Trägern die Hälfte der Personalkosten sowie Sachkosten (z. B. Miete, Fahrtkosten, Büroausstattung) verbleiben. Hinzu kommt noch, dass Reglementierungen des Landes verhindern den hohen Trägeranteil durch die Erwirtschaftung von Einnahmen deutlich zu reduzieren. Im bundesweiten Vergleich ist Rheinland-Pfalz mit dieser schwachen Förderung von Suchtberatungsstellen eines der Schlusslichter.


Über viele Jahre konnten die Träger den hohen Eigenanteil aufbringen. Jetzt stoßen die Wohlfahrtsverbände aber an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und kündigen deshalb Stellenschließungen an, wenn sich die öffentliche Bezuschussung nicht deutlich verbessert. Viele alkohol-, medikamenten- und drogenabhängigen Menschen würden zwangsläufig unversorgt bleiben und somit der Gesellschaft hohe Folgekosten (z. B. durch häufige Klinikaufenthalte und Sozialleistungen) verursachen.


Langfristig lohne sich die Investition in Suchthilfeeinrichtungen, so Achim Hoffmann, Vorsitzender der Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz. „Jeder Euro der in die Suchtkrankenhilfe gesteckt wird, zahlt sich durch die Vermeidung von hohen Folgekosten doppelt und dreifach aus – das beweisen auch neueste Studien“.


Die Landesstelle für Suchtfragen fordert in ihrem Positionspapier unter anderem eine auskömmliche Finanzierung von Suchtberatungsstellen durch das Land und die Kommunen – die hierfür erforderlichen Mehrkosten sollten gegebenenfalls durch Einnahmen aus einer „Reichensteuer“ resultieren, aus denen natürlich auch Finanzierungslücken in anderen sozialen Bereiche geschlossen werden könnten, sagt der Landesstellenvorsitzende Achim Hoffmann. Von den Rentenversicherungsträgern und Krankenkassen verlangt die Landesstelle kostendeckende Vergütungssätze. Durch die geforderten Maßnahmen kann der notwendige Bestand der Drogen- und Alkoholberatungsstellen gehalten und Sozialabbau mit prekären gesellschaftlichen Folgen vermieden werden, so Hoffmann weiter.


Hintergrundinformation


Die Landesstelle für Suchtfragen ist ein Zusammenschluss der in der Suchthilfe und -prävention tätigen Verbände und Institutionen. In fast jedem Bundesland gibt es eine hauptamtliche Landesstelle – Rheinland-Pfalz leistet sich so eine Stelle allerdings nicht, die Arbeit der Landesstelle ist in unserem Bundesland n die verbandlichen Strukturen der Liga der freien Wohlfahrtspflege integriert.


Die ambulante Suchthilfe in Rheinland-Pfalz umfasst derzeit 45 Fachstellen mit weiteren 15Außenstellen, die zu ungefähr 90% in Trägerschaft der Wohlfahrtsverbände sind. Circa 100 Vollzeit- und 150 Teilzeitkräfte arbeiten als Fachpersonal in diesen Stellen.


Beispielhaft ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure im Behandlungsverbund der Suchtkrankenhilfe: Selbsthilfe – Beratungsstellen – Fachkliniken – komplementäre Einrichtungen – Nachsorge. Jeder Baustein besitzt seine eigene Bedeutung und ist auf die anderen angewiesen – wird ein Baustein herausgenommen funktioniert die gesamte Behandlungskette nicht mehr.


Kontakt


Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz, Achim Hoffmann (Vorsitzender), Diakonisches Werk Pfalz, Karmeliterstraße 20, 67346 Speyer, 06232 664 254, 0176 11664 254 –achim.hoffmann@diakonie-pfalz.de - www.sucht-rlp.de


Anlage


Positionspapier der Landesstelle „Suchtberatungsstellen in Rheinland-Pfalz mit unsicherer Zukunft?!