11. Juli 2012

Fast 1000 qualifizierte Fachkräfte in der Altenpflege fehlen aktuell in Rheinland-Pfalz. „Viele Einrichtungen suchen händeringend Mitarbeiter. Vor allem höher qualifizierte Stellen bleiben oft lange Zeit unbesetzt“, sagt Solveigh Schneider, Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Pflegegesellschaft und Abteilungsleiterin für stationäre und teilstationäre Altenhilfe im Diakonischen Werk Pfalz.

„Aber nur mit Fachkräften können wir unsere hohe Qualität in der Pflege weiter sicherstellen“, betont Schneider. Den von politischer Seite als Lösung propagierten Einsatz von Fachkräften als anleitende Generalisten sieht sie kritisch. „Das ist sozusagen der Plan B: Wir stellen Fachkräfte zur Verfügung, die Nachbarn, Freunde und Angehörige intensiver in den Pflegeprozess einbinden. Darauf müssen wir uns in Zukunft einstellen. Es wird sehr schwierig werden, unsere Qualitätsstandards auf diese Weise aufrechtzuerhalten."


Das Interesse an einem Pflegeberuf ist nach Schneiders Einschätzung bei jungen Menschen durchaus vorhanden. Aber der Pflegeberuf habe immer noch ein Imageproblem. „Vielen ist gar nicht bewusst, wie breit gefächert das Berufsbild ist und welche Aufstiegschancen sich bieten.“ Sie weist darauf hin, dass mit dem Abschluss der Ausbildung zum Altenpfleger in Rheinland-Pfalz zugleich die Fachhochschulreife erworben wird. Außerdem sei der Verdienst im Land mit 800 Euro bereits im ersten Ausbildungsjahr sehr attraktiv. Entsprechend qualifizierten Bewerbern stehe zudem der Weg in die Heim- und Pflegeleitung offen. „Und wer eine Fremdsprache spricht, der ist in der ganzen Welt willkommen.“


Die Diakonie Rheinland-Pfalz bietet 600 Ausbildungsplätze im stationären sowie weitere 140 Ausbildungsplätze im ambulanten Bereich. Schneider ermutigt junge Leute für eine Ausbildung in der Pflege: „Das ist ein so vielfältiger Beruf. Hier liegen Freud und Leid manchmal sehr eng beieinander. Aber gerade das hat einen großen positiven Einfluss auf die eigene Lebenssicht. Alte Menschen mit ihrer Lebenserfahrung und ihrer Geschichte sind eine unglaubliche Bereicherung für alle, die damit in Berührung kommen.“


Die nachträgliche Qualifizierung langjähriger Mitarbeiter und die Akademisierung des Berufsbildes sind weitere Strategien gegen den Fachkräftemangel. Pflegehilfskräfte ohne qualifizierten Abschluss werden zu Altenpflegehelfern ausgebildet. „Das heißt, dass sie dann auch mehr Aufgaben übertragen bekommen können und größere Verantwortung tragen. Gerade im ambulanten Bereich macht sich das bemerkbar, denn dann müssen nicht immer zwei Kräfte auf den Weg geschickt werden“, erklärt Schneider. Von der fortschreitenden Akademisierung verspricht sie sich – neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen – vor allem hoch qualifizierte Führungskräfte. „Wir brauchen in der Pflege beides: Manager und Macher, Pflegewissenschaftler wie Pfleger am Bett.“


Ein Baustein im Konzept für mehr Fachkräfte sind auch spezielle Angebote für bestimmte Zielgruppen wie Alleinerziehende, Wieder- oder Seiteneinsteiger. „Hier geht es darum, die Lebensumstände dieser potenziellen Mitarbeiterinnen zu berücksichtigen, zum Beispiel durch familienfreundliche Dienstpläne und Kinderbetreuungsangebote“, sagt Schneider.