22. Juni 2012

Unter dem Titel "Fach- und Führungskräfte binden und finden" tagten mehr als 60 Personalverantwortliche, Geschäftsführungen, Vorstände und Pflegedienstleitungen am 12. Juni 2012 in Bingen am Rhein. Die Tagung wurde von der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit der Führungsakademie für Kirche und Diakonie in Berlin veranstaltet.


Die Schere zwischen der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen und derer, die sich der qualifizierten Pflege und Betreuung Hilfebedürftige widmen, klafft immer weiter auseinander. Die vorhandenen Mitarbeitenden möglichst lange im Beruf zu halten und zeitgleich neue Fachkräfte zu gewinnen stellt die größte Herausforderung für Träger und Leitungskräfte dar.

In seiner Begrüßung nannte Pfarrer Albrecht Bähr, Sprecher der Geschäftsführung der Diakonie in Rheinland-Pfalz, das Maß an Wertschätzung, welches jedem Einzelnen entgegengebracht wird, als eines der wesentlichen Kriterien zum erfolgreich gelingenden Miteinander in diakonischen Einrichtungen.

Einen Blick über den Tellerrand der Wohlfahrtspflege ermöglichte der Vortrag von Jürgen Jäckel, Leiter Sonderaufgaben Personalmanagement der Fraport AG, Frankfurt/Main. Er verdeutlicht die Notwendigkeiten, Herausforderungen und Strategien in der Personalgewinnung eines globalen Unternehmens mit 21 000 Mitarbeitenden. Hierzu wurden im Vortrag Maßnahmen und Instrumente vorgestellt, welche die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität am Arbeitsmarkt erhöhen. Insbesondere wurde die intensive Kontaktpflege zu viel versprechenden Talenten intern und extern verdeutlicht.

In der sich anschließenden Perspektive auf die Sozialwirtschaft durch Thomas Müller, contec, Leiter conQuaesso - Personalberatung der contec, Bochum, wurde die Bindung und Gewinnung qualifizierter Fach- und Führungskräften jetzt und zukünftig an die Güte des Personalmarketings gekoppelt. Sie setzt ein aktives Werben um Mitarbeitende sozialer Organisationen voraus. Durch den kontinuierlichen Anstieg nicht nur des Durchschnittalters der Klienten, sondern auch auf der Seite der Mitarbeitenden, werden innovative Ansätze zur Gewinnung und Bindung vom Mitarbeitenden benötigt. Ein strategisches Instrument hierzu bildet die Entwicklung eines Personalmarketingkonzeptes sowie die darauf basierende Herausbildung einer Personalentwicklung sowie einer speziellen Arbeitgebermarke. Um die aktuellen Mitarbeitenden zu binden, zu entwickeln und neue Mitarbeitende zu gewinnen müssen diakonische Einrichtungen ihre Personalpolitik an den Bedürfnissen und Wünschen qualifizierter Fach- und Führungskräfte ausrichten. Wesentlich für den langfristigen Erfolg ist die Entwicklung einer werteorientierten Unternehmenskultur, in der Glaubwürdigkeit, Fairness und Respekt, sowie die Gesundheit am Arbeitsplatz eine tragende Rolle spielen. Konkretisiert wurde dieser Ansatz in einem Forum am Nachmittag zur Personalgewinnung Web. 2.0.


Die Organisationssoziologin mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement, Dr. Karin Töpsch, erarbeitete zusammen mit den Tagungsteilnehmenden in einem zweiten Forum Möglichkeiten, zunehmender Arbeitsverdichtung und daraus resultierende Beanspruchungssymptome entgegenzuwirken. Der Workshop zeigte Handlungsfelder des betrieblichen Gesundheitsmanagements auf und erläuterte Ansatzpunkte für eine gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung in der Pflege. Es wurde deutlich, welche Rolle dabei ein "gesunder" Führungsstil spielt und wie sich auch Mitarbeitende motivieren lassen, an der Gestaltung gesunder Arbeitsbedingungen mitzuwirken.

In sozialen Organisationen und Einrichtungen christlicher Trägerschaft rückt das Thema "Spiritualität" zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Experte zu diesem Thema, Dr. Joachim Reber, Mitarbeiterseelsorge und spirituelle Bildung im Caritasverband Stuttgart, stellt in diesem dritten Forum die Frage: Ist Spiritualität im Profil eines kirchlichen Unternehmens sichtbar verortet und wird Spiritualität tatsächlich in der Unternehmenskultur gelebt? Unter welchen Bedingungen ist Spiritualität eine echte Ressource für Mitarbeitende und Führungskräfte, um mit einem wachsenden Druck physischer und psychischer Anforderungen umzugehen? Oder wird Spiritualität nur benutzt als besonderer "Marktfaktor", als Vorteil beim Werben um Klienten und Mitarbeitende. Der Workshop mit überschaubarem Teilnehmerkreis arbeitete intensiv an den Fragen: Was bedeutet (mir) Spiritualität? Erlebe ich meine Einrichtung als "Raum für Heilung und Heil?" und lassen wir unsere Mitarbeitenden spüren, dass sie "mehr als nützlich" sind?

Am Ende der Veranstaltung dankte der Vorsitzende der AG Sozialstationen, Pfarrer Baldur Stiehl, allen Referentinnen und Referenten für die interessanten Vorträge und den Teilnehmenden für die fruchtbaren Diskussionen und Arbeitsergebnisse der Workshops.

Die Bewertung des Fachtages durch die Tagungsteilnehmenden wurde insgesamt als sehr gut bewertet. Daran hatte auch das Ambiente im Kongresszentrum am Rhein-Nahe-Eck in Bingen seinen Anteil. Auf vielen Bewertungsbögen wurde der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen dieser Art geäußert.

Bericht: Esther Wingerter

 

 


Weitere Informationen

Programm der Veranstaltung