5. Dezember 2011

Portraitfoto von Pfarrer Humrich

Nach fast 23 Jahren als Theologe im Vorstand der Stiftung kreuznacher diakonie geht Pfarrer Dietrich Humrich in den Ruhestand. An der Verabschiedung nahmen rund 550 GĂ€ste aus Kirche, Politik und Mitarbeiterschaft teil, darunter der MinisterprĂ€sident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck. Nachfolger im Vorstand der kreuznacher diakonie ist Pfarrer Wolfgang Baumann, der bislang in der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Wohnungslosenhilfe kreuznacher diakonie (WLH) tĂ€tig war. Die Stiftung kreuznacher diakonie gehört mit mehr als 5 300 Mitarbeitenden zu den zehn grĂ¶ĂŸten diakonischen TrĂ€gern in Deutschland.


Pfarrer Humrich beendet auch sein Engagement als Mitglied der Gesellschafterversammlung der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz. FĂŒr ihn rĂŒckt voraussichtlich sein Nachfolger im Amt, Pfarrer Wolfgang Baumann, in das Gremium nach.

Im Jahr 1987 war Humrich zunĂ€chst als Leiter der Diakonenausbildung nach Bad Kreuznach gekommen. 1989, im 100. JubilĂ€umsjahr der Stiftung kreuznacher diakonie, wurde er als Theologe im Vorstand der kirchlichen Stiftung eingefĂŒhrt. Das JubilĂ€umsjahr war einerseits der Start fĂŒr ein neues SelbstverstĂ€ndnis in der Darstellung der diakonischen Arbeit an der Nahe als auch fĂŒr den ersten umfassenden RĂŒckblick in die Geschichte der kreuznacher diakonie. „Wir mĂŒssen aus unserer Geschichte lernen“, sagt der Theologe, der der Überzeugung ist, dass Diakonie auch daran gemessen wird, wie mit dunklen Kapiteln umgegangen wird. Die besondere Verantwortung, die die Stiftung in diesem Zusammenhang trĂ€gt, zeigt sich im Gedenken an 240 Menschen mit Behinderungen aus der kreuznacher diakonie, die in der Zeit des Nationalsozialismus’ abtransportiert und ermordet wurden, an 79 Menschen, die zwischen 1941 und -45 unter Zwang in der Diakonie arbeiteten oder an den Menschen, die bis in die 1970er Jahre als Heimkinder in der kreuznacher diakonie aufgewachsen sind und zum Teil massiven Gewalterfahrungen ausgesetzt waren. Auch aus diesen Geschehnissen heraus wird nachvollziehbar, warum sich die kirchliche Stiftung in ethischen Fragestellungen stark engagiert. Im Jahr 2004 wurde ein eigenstĂ€ndiges Referat Diakonik-Ethik geschaffen, in dem zwei Expertinnen daran arbeiten, ethische GrundsĂ€tze zu formulieren und in den Alltag der GeschĂ€ftsfelder zu implementieren. Insofern nimmt die Stiftung kreuznacher diakonie eine Vorreiterrolle fĂŒr sich in Anspruch, als es bei den zahlreichen QualitĂ€tsprĂŒfungen in ihren Einrichtungen neben den anderen guten Ergebnissen immer herausragende Bewertungen im Bereich christlich-diakonischer Fragestellungen gibt. Die kreuznacher diakonie, bei der evangelische und katholische Christinnen und Christen in einem VerhĂ€ltnis von 2:1 arbeiten, betreibt einen hohen Aufwand bei Bildungsmaßnahmen fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte. „Die meisten Ausbildungen sind rein auf die Vermittlung von Fachwissen fokussiert“, stellt Humrich fest, „wir brauchen jedoch auch Menschen, die sehr bewusst mit ihren FĂŒhrungsaufgaben umgehen“. DarĂŒber hinaus haben bereits mehr als 500 Mitarbeitende aus allen Konfessionen den Basiskurs Diakonie besucht, der es den Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, eigene Glaubenserfahrungen zu reflektieren. Das diakonische Profil des grĂ¶ĂŸten evangelischen TrĂ€gers im Rheinland wird damit auch an seinen Mitarbeitenden sichtbar. Wie wichtig dieser Aspekt Humrich und seinem Kollegen Dr. Frank Rippel ist, wird unter anderem darin deutlich, dass bereits 1992 Leitlinien fĂŒr das diakonische Handeln veröffentlicht wurden. 2006 gab es ein ĂŒberarbeitetes Leitbild, mit dem das SelbstverstĂ€ndnis neu formuliert wurde. Neben der WĂŒrde des Menschen, dem QualitĂ€tsanspruch und wirtschaftlichem Handeln ist der Mitarbeitendenorientierung besondere Aufmerksamkeit geschuldet.

Die Zahl der Mitarbeitenden hat sich von 1987 bis 2011 auf ĂŒber 5 300 verdreifacht. Neben den Übernahmen von KrankenhĂ€usern aus kommunaler TrĂ€gerschaft und diakonischen Einrichtungen im Saarland hat insbesondere die kontinuierliche Weiterentwicklung der Angebote zu diesem Wachstum gefĂŒhrt. In jedem Jahr wĂ€chst die Stiftung um rund 100 Mitarbeitende, weil die Aufgaben sich immer weiter differenzieren und entsprechend ausgebaut werden. Neben der Expansion stand in der Amtszeit von Humrich auch der Abbau von Angeboten ins Haus: Nach ĂŒber 16-jĂ€hrigem Engagement in der Arbeit mit Aus-und Übersiedlerinnen und Übersiedlern endete diese Aufgabe im Jahr 2005, nachdem fast 10 000 Menschen in der kreuznacher diakonie ein erstes Zuhause in der neuen Heimat gefunden hatten.

Die Organisation kreuznacher diakonie hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich verĂ€ndert. FĂ€llt zunĂ€chst die NamensĂ€nderung von Diakonie-Anstalten Bad Kreuznach in Stiftung kreuznacher diakonie ins Auge, sind interne VerĂ€nderungen noch viel gravierender. So sind im Laufe der Jahre zehn wirtschaftlich selbststĂ€ndige GeschĂ€ftsbereiche, zwei Dienstleistungszentren und das Stiftungsmanagement unter dem Dach des RechtstrĂ€gers Stiftung kreuznacher diakonie entstanden. Nach und nach hat sich nach Humrichs Wahrnehmung herausgestellt, dass Kirche und Politik die kreuznacher diakonie im Konzert der Anbieter diakonisch-sozialer Dienstleistungen als wichtigen Akteur ansehen. Humrich wĂ€re nicht Humrich, wenn er dies alles als sein Verdienst ansĂ€he: „Wir haben einiges bewegt, weil wir gute und engagierte Fachleute in unseren Reihen haben. Wir sind zudem bei Betroffenen, Politik und Kirche auf GesprĂ€chspartner getroffen, die bereit waren, sich auf unsere Ideen einzulassen, damit Menschen in Nöten das bekommen, was sie brauchen, um am sozialen Leben teilhaben zu können.“


 

 

Materialien und weitere Informationen

Lebenslauf von Pfarrer Dietrich Humrich

Text der WĂŒrdigung durch Dr. Moritz Linzbach

Weitere Informationen Bericht auf den Webseiten der kreuznacher diakonie Abschied von Pfarrer Dietrich Humrich