4. August 2011

Mitarbeiterin im Freiwilligendienst hält liebevoll eine alte Dame im ArmMit Unverständnis haben die Landesarbeitsgemeinschaft der Träger des Freiwilligen Sozialen Jahres in Rheinland-Pfalz und das rheinland-pfälzische Familienministerium die Absicht des Bundesfamilienministeriums zurückgewiesen, Mittel für das Freiwillige Soziale Jahr ab sofort an die Zahl tatsächlich akquirierter Plätze beim Bundesfreiwilligendienst zu koppeln.

Die Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Familienministerium, Margit Gottstein, sagte, die neuen Vorgaben des Bundesfamilienministeriums würden allen Absprachen mit den Ländern im Vorfeld der Gesetzgebung zum Bundesfreiwilligendienst widersprechen. Gottstein forderte Bundesministerin Schröder auf, umgehend die Direktive ihres zuständigen Staatssekretärs zurückzunehmen und zu einer partnerschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Trägern und Ländern zurückzukehren.

Teils harsche Kritik gab es auch von den Wohlfahrtsverbänden in Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland. Der Präsident der LIGA der Wohlfahrtsverbände in Hessen, der Diakonie-Vorsitzende Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, sprach von einem Wortbruch der Politik. Laut Jürgen Thor, Leiter der Freiwilligendienste der Diakonie Rheinland-Westalen-Lippe in Münster, zeigt man sich bei der LAG der Freien Wohlfahrtspflege in NRW "empört und irritiert über die irrlichternde Politik des Bundes". Auch der Vorsitzende der LIGA im Saarland, Diakonie-Pfarrer Blank forderte die Politik auf, zu einem partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden zurückzukehren.

Das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) besteht aktuell darauf, dass für drei Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr von demselben Träger zwei Plätze im Bundesfreiwilligendienst zur Verfügung gestellt werden. Dies entspricht nicht den Vorgaben der Richtlinie des BMFSFJ vom 22. Juli 2011, die für jeden FSJ-Platz ohne Bedingungen einen Zuschuss von 200 Euro zusagt. Hintergrund der Vorgabe des BMFSFJ ist, dass Freiwillige kaum Plätze im Bundesfreiwilligendienst nachfragen, wohl aber im Freiwilligen Sozialen Jahr. Auch das rheinland-pfälzisches Familienministerium geht davon aus, dass das Bundesministerium nunmehr das Problem habe, dass der vom Bund als Kompensation des Zivildienstes gewollte Bundesfreiwilligendienst nicht nachgefragt werde.

„Junge Menschen entscheiden sich eher für einen Freiwilligendienst im Umfeld der Zivilgesellschaft und weniger für den staatlich organisierten Bundesfreiwilligendienst“, so die Landesarbeitsgemeinschaft Freiwilliges Soziales Jahr in Rheinland-Pfalz. Es gebe bei Einsatzstellen und Freiwilligen gute Gründe, sich bewusst für ein FSJ zu entscheiden. Dies liege etwa daran, dass beim BFD nach wie vor einige wichtige Punkte (z.B. Kindergeldzahlung, Anerkennung als fachpraktischer Teil der Hochschule, päd. Begleitung...) nicht hinreichend geklärt sind.

Ministerium und Wohlfahrtsverbände sind sich einig, dass beim Bundesfreiwilligendienst noch nachgebessert werden muss und fordern die Bundesregierung auf, den neuen Bundesfreiwilligendienst nach zwei Jahren zu evaluieren um zu klären, ob sich der Dienst bewährt hat.