9. Dezember 2011

Das Angebot an Beratungsstellen sollte ausgebaut werden


Arbeitslosigkeit ist nach wie vor die häufigste Ursache für Überschuldung. Das geht aus der Landesstatistik der Schuldnerberatung in Rheinland-Pfalz für 2010 hervor. Neben dem Verlust des Arbeitsplatzes zählt Scheidung, Trennung oder der Tod des Partners zu den Hauptursachen von Überschuldung. Unfall, Krankheit oder Sucht sowie das Konsumverhalten sind ebenfalls von besonderer Bedeutung bei der Entstehung privater Überschuldung.
Dabei gibt es nach Ansicht von Fachleuten aus der Diakonie zu wenig Beratungsangebote. „Nur geschätzte 10 bis 15 Prozent der Überschuldeten können eine seriöse Schuldnerberatungsstelle in Anspruch nehmen, da es an ausreichenden Angeboten fehlt.“ Dies müsse geändert werden, sagte Bernhard Guttenbacher von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes in der Pfalz in Speyer.“

Wie die Auswertung der Daten aus den landesweiten Beratungsstellen in kirchlicher, kommunaler und freier Trägerschaft zeigt, wird die Schuldnerberatung in der Regel von Haushalten mit einem niedrigen Einkommen in Anspruch genommen. 40 Prozent der Ratsuchenden verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von bis zu 1000 Euro. Nur bei elf Prozent der Ratssuchenden liegen die Einkünfte über 2000 Euro. Überschuldung betrifft überwiegend die mittlere bis ältere Generation: also Menschen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Der Schwerpunkt liegt auf der Altersgruppe der 40-50-Jährigen.
Insgesamt hat sich die Beratungsnachfrage in den Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Rheinland-Pfalz 2010 deutlich erhöht. Die Zahl der laufenden Beratungsfälle stieg im Zweijahresvergleich zum Jahr 2008 um 11,5 Prozent. Die Anzahl der Kurzberatungen nahm im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent zu. Der Insolvenzberatung kommt eine überragende Bedeutung zu. Die allgemeine Schuldnerberatung bildet jedoch einen ebenso unverzichtbaren Bestandteil des Beratungsangebots.
In der Beratungspraxis spielen neben der Schuldenregulierung vor allem der Erhalt des Girokontos und die Sicherung der Wohnung und des Arbeitsplatzes eine besonders große Rolle.
Das Diakonische Werk Pfalz unterhält Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Frankenthal, Speyer, Kirchheimbolanden und Landstuhl. Darüber hinaus gibt es besondere Angebote im Rahmen der Suchtkrankenhilfe oder der Beratung spielsüchtiger Menschen. Das Diakonische Werk Pfalz bietet Schuldnerberatung in diesem speziellen Kontext in Ludwigshafen, Kaiserslautern und Zweibrücken an.

Die Statistik wurde vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD), dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV), dem Schuldnerfachberatungszentrum an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (SFZ), der LIGA der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung erarbeitet.

Für Rückfragen: Tanja Gambino, Diakonisches Werk Pfalz, Telefon: 06232-664251, tanja.gambino@diakonie-pfalz.de


Ein Gespräch mit den Schuldnerberatern Bernhard Guttenbacher und Thomas Bäppler von der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle des Diakonischen Werkes Pfalz in Speyer (pdf).