16. Oktober 2018

Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober warnen die beiden Sprecher der Landesarmutskonferenz Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Gerhard Trabert (Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.) und Albrecht Bähr, pfälzischer Landespfarrer für Diakonie und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz, davor, von Armut betroffene Menschen gegeneinander auszuspielen.

"Fehlende soziale Gerechtigkeit ist die Mutter aller Probleme", sagen die beiden Sprecher in Anspielung auf ein Zitat des Bundesinnenministers Horst Seehofer, der Migration als Mutter aller Probleme bezeichnet hatte.

Entgegen der - oft bewusst geschürten - Wahrnehmung, Flüchtlinge trügen die Schuld an der sozialen Schieflage in Deutschland, verfestigten sich soziale Problemlagen bereits seit Jahren. "Was wir heute sehen und erleben, ist eine Armut mit Ansage", so Bähr. Die Warnungen der Wohlfahrtsverbände, engagierter Betroffener und Mitstreiter vor einer Verschärfung der Wohnungsproblematik, vor Erwerbsarmut oder steigender Altersarmut habe nur niemand hören wollen.  An der Gerechtigkeitsfrage und nicht an der Migrationsfrage entscheide sich die Zukunft einer lebenswerten Gesellschaft.

"Armut ist bittere Realität für viele Menschen, auch in Rheinland-Pfalz. Und das trotz guter Arbeitsmarktzahlen und anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs. Das sollte uns zu denken geben!", betont Prof. Dr. Trabert. "Wenn immer mehr Menschen Wohlstand nur als 'Wohlstand der Anderen' erleben, gefährdet das den sozialen Frieden im Land", ergänzt Bähr. Menschen, die trotz Vollzeiterwerbstätigkeit nicht von ihrem Lohn leben, geschweige denn für das Alter vorsorgen könnten, müsse der Verweis auf boomende Wirtschaftszahlen oder einen robusten Arbeitsmarkt wie blanker Hohn vorkommen.

Für Rheinland-Pfalz mahnten die beiden Sprecher der Landesarmutskonferenz angesichts des Trends zur Kommunalisierung an, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse sowohl in und zwischen den einzelnen Regionen also auch in und zwischen einzelnen Städten sowie städtischen und ländlichen Kommunen nicht aus den Augen zu verlieren. "Der Wohnort darf genauso wenig über die Chancen auf Teilhabe am Leben entscheiden, wie Herkunft, Geschlecht oder Religion", betonen die Sprecher.