3. Juli 2017

Am 1. Juli ist das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten. In weiten Teilen hilft es den Menschen in der Prostitution nicht. Ganz im Gegenteil: Durch die Einf├╝hrung einer Anmeldepflicht dr├Ąngt es Prostituierte eher dazu, im "Verborgenen" zu arbeiten. Nach wie vor werden Prostituierte diskriminiert, sodass sie ihre T├Ątigkeit oft verschweigen.



Die Diakonie Deutschland unterst├╝tzt ausdr├╝cklich das Ziel des Gesetzes, die Selbstbestimmungsrechte von Menschen in der Prostitution zu st├Ąrken, vertr├Ągliche Arbeitsbedingungen zu gew├Ąhrleisten und den Gesundheitsschutz zu verbessern.

Als Kernelement eine Anmeldepflicht f├╝r Menschen in der Prostitution einzuf├╝hren, ist allerdings der v├Âllig falsche Weg. "Dadurch werden Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gr├╝nden nicht anmelden k├Ânnen oder wollen, von den Hilfe- und Unterst├╝tzungsangeboten ausgeschlossen", sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland." "Das kann nicht im Sinne des Gesetzes sein."

Vielmehr sei zu bef├╝rchten, dass aus Angst vor Verlust der Anonymit├Ąt und Ausgrenzung nicht wenige Prostituierte auf die Anmeldung verzichten werden, im Verborgenen arbeiten und damit kaum erreichbar sind f├╝r Hilfeangebote. "Unsere Fachberatungsstellen arbeiten zu einem gro├čen Teil mit Frauen in der Armutsprostitution. Insbesondere Frauen aus osteurop├Ąischen L├Ąndern k├Ânnen die Voraussetzungen f├╝r das gesetzlich geregelte neue Anmeldeverfahren nicht erf├╝llen. Sie werden notgedrungen weiter schutzlos sein. Frauen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus werden durch die Anmeldepflicht noch st├Ąrker in die Illegalit├Ąt gedr├Ąngt. Das bedeutet weniger Schutz, weniger staatliche Einflussm├Âglichkeiten und eben kein Mittel gegen Menschenhandel", so Loheide weiter.

Um Unterst├╝tzung und Beratung f├╝r Menschen in der Prostitution zu verbessern, m├╝ssen die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Die Zahl der Beratungsstellen f├╝r Prostituierte reicht nicht aus. Zudem sind sie finanziell und personell unzureichend ausgestattet, keineswegs perspektivisch gesichert und nicht in allen Bundesl├Ąndern vorhanden.

Der Ausbau dieser Strukturen ist eine wichtige Voraussetzung, um Menschen in der Prostitution und Betroffenen von Menschenhandel zu helfen, selbstbestimmt Alternativen f├╝r ihre Lebensgestaltung entwickeln zu k├Ânnen.