10. Mai 2017

Jeder Mensch ist irgendwo fremd, deswegen sind wir bei der aktiven Integration verschiedener Kulturen alle gefordert – das war der Tenor des ersten sozialpolitischen Luthermahls im Kirchenkreis Wied. Auf Einladung des Diakonischen Werks Neuwied, der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Oberbieber sowie der Ev. Kirchengemeinde Oberbieber kamen rund 80 Gäste zu einem Abendessen mit Tischreden in Neuwied-Oberbieber zusammen.

Die Küche der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Oberbieber servierte ein dreigängiges Menü mit Spezialitäten aus Afrika, dem Orient und Deutschland. Vor jedem Gang hörten die Gäste eine Rede mit politischen Fokus:

Annik Gentner, die sich als Französin selbst in Deutschland integrieren musste und im Welcome Café an der Marktkirche aktiv ist, berichtete sehr persönlich von Arbeitsaufenthalten in Afrika und im Nahen Osten. „Wir müssen alles tun für den Spracherwerb“, ist ihre dringliche Forderung. Gerade bei älteren Migranten brauche das Lernen viel Zeit. Es bedürfe im Bestfall einer Eins-zu-Eins-Begleitung durch Ehrenamtliche und außerdem mehr Angebote von Firmen und Betrieben, bei denen Geflüchtete ihr Deutsch an einem Arbeitsplatz praxisnah verbessern können.

Es gibt keinen Fremden, der nicht dazugehört

Oberbürgermeister Nikolaus Roth erinnerte daran, dass Neuwied in der Tradition des Toleranzedikts eine weltoffene Stadt ist und bleibe. Als dritter holte Albrecht Bähr, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz, den Zuhörern sehr profiliert den Auftrag als christliche Kirche vor Augen: „Achte den Fremdling nicht gering!“, zitierte er aus dem 5. Buch Mose. Das biblische Volk Israel habe sich in Ägypten selbst als fremd erfahren. Übersetzt ins Heute bedeute das: Es gibt keinen Fremden, der nicht dazugehört. „Er ist wie du.“

So hatten die Gastgeber - Renate Schäning, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Neuwied, und die Geschäftsführerin der Kinder- und Jugendhilfe Oberbieber sowie Gemeindepfarrer Jochen Trauthig - auch für Durchmischung und Austausch unter den Gästen gesorgt: Vertreter verschiedener Parteien, Konfessionen und Herkunftsländer saßen an je einem der zehn Tische zusammen. Pianistin Beate Kühlwein untermalte die Gespräche mit Renaissance-Musik.

„Wir verbinden mit unserem Beitrag zum Reformationsjubiläum Gastlichkeit, Dialog und ein aktuell brisantes Thema. Das Konzept des Luthermahls ist voll aufgegangen“, resümiert Schäning zufrieden. Die nächsten Luthermahle finden am 18. Mai in Linz und am 12. Juni in Oberhonnefeld statt und widmen sich den Themen Armut und Lebensqualität auf dem Land.