1. Dezember 2016

Festakt in der Staatskanzlei in Mainz – Schirmherrin Ministerpräsidentin Malu Dreyer überreicht Preis der drei Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz – Soziale Projekte gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit ausgezeichnet

Das Projekt „Jobmotor Lichtblick – Arbeits- und Beschäftigungsprojekt SoliPakt“ aus Neustadt an der Weinstraße ist Träger des Helmut-Simon-Preises 2016. In einem Festakt in der Staatskanzlei in Mainz übergab die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer heute den von den drei Diakonischen Werken in Rheinland-Pfalz ausgeschriebenen Preis. Bereits seit 1996 gibt es die Tagesbegegnungsstätte Lichtblick, das Projekt „SoliPakt“ wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen und startete mit Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für damals zwei langzeitarbeitslose Menschen. Inzwischen sind hier 34 Menschen beschäftigt.

Den zweiten Preis erhält das Projekt „Fußball und Integration“ in Mainz, das zu Mission Leben gehört. Träger des dritten Preises ist die „Inklusive Freiwilligenagentur“ aus Altenkirchen vom Diakonischen Werk Altenkirchen. Sonderpreise gehen an die Sozial- und Verfahrensberatung in der Landeseinrichtung für Asylbegehrende und Ausreisepflichtige (LEfAA) in Ingelheim der Diakonie Hessen und an das Kunstprojekt „Beshno az ney-kleine Anfrage an Humanität“ aus Freinsheim, das mit Mitteln der Kunst die Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und Integration fördert.
Mit dem Helmut-Simon-Preis will die Diakonie öffentlichkeitswirksam Mut machen, kreativ, sensibel und solidarisch gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit vorzugehen. Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Preis ist nach dem 2013 verstorbenen ehemaligen Bundesverfassungsrichter Helmut Simon benannt.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Preis ist ein Zeichen gegen Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte als Schirmherrin: „Der Preis ist ein Zeichen gegen die Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung von Menschen aufgrund von Armut, Behinderung, Herkunft oder sozialer Notlage. Mit seiner Bereitschaft, sich für die Schwachen einzusetzen, ist Helmut Simon ein überragendes Vorbild sozialen Engagements. Das Engagement der Preisträger beeindruckt mich sehr, vor allem weil es überwiegend von Ehrenamtlichen ausgeübt wurde. Ich möchte allen Preisträgern zu ihrer heutigen Auszeichnung gratulieren und freue mich, dass der Helmut-Simon-Preis die Gelegenheit bietet, Ihr Engagement als Vorbild bekannt zu machen.“

Diakonie-Vorstandsvorsitzender Rühl: Engagement der Preisträger ist unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft

Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen, Pfarrer Horst Rühl, sagte anlässlich der Preisverleihung: „Das Engagement gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit, das heute durch die Preisverleihung sichtbar wird, ist ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft und ich habe allergrößten Respekt davor. In den Projekten, die wir heute auszeichnen, gestalten Menschen durch ihren zum Teil unermüdlichen Einsatz unser Gemeinwesen auf das Ziel einer gerechten Teilhabe all der Menschen hin, die aus unterschiedlichen Gründen aus der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Die Projekte haben sich in ganz besonderer Weise um diese Teilhabe verdient gemacht, indem sie diese fördern, stärken und umsetzen.“ In seiner Laudatio erinnerte der Diakonievorsitzende an den Satz Helmut Simons: „Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen – diese Worte von Helmut Simon sind Richtschnur und Anspruch. Erstmalig rückt bei der Preisverleihung dieses Mal auch das Thema Flucht in den Blick. Unsere Solidarität gilt ganz im Sinne Helmut Simons gerade den sogenannten Schwachen in unserer Gesellschaft.“

Kirchenpräsident Schad: Perspektivenwechsel, der Leidtragende ins Zentrum rückt

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, zugleich Vorsitzender der Jury, sagte in seiner Rede: „Sich für Gerechtigkeit einzusetzen, ist nicht nur eine gesellschaftliche Herausforderung, sondern biblischer Auftrag.“ Im Blick auf das Motto der Diakonie im Reformationsjahr 2017 „Türen öffnen, Gerechtigkeit leben“ sagte er: „Wir feiern Martin Luther, weil er das biblische Verständnis der Gerechtigkeit Gottes neu ans Licht gebracht hat. Gottes Gerechtigkeit ist ohne soziale Gerechtigkeit nicht vorstellbar. Aus unserem Glauben heraus versuchen wir daher, aufmerksam zu sein für unsere Nächsten, sie gewissermaßen mit den Augen Gottes anzusehen und ihnen so Ansehen, Würde, Achtung zu verleihen. Unsere Gesellschaft ist so stark und auch in ihrer Werteorientierung so gefestigt, dass sie in der Lage ist, Schwache zu schützen, Fremden eine Heimat zu geben, Ausgegrenzten aus der Isolation zu verhelfen und sie in die Mitte unserer Gemeinschaft zu rufen.“ An die Preisträger gewandt sagte der Theologe: „Im Namen der Jury danke ich Ihnen, dass Sie mit Ihren ganz unterschiedlichen Aktivitäten eben dies vollziehen: einen Perspektivenwechsel, der Leidtragende ins Zentrum, in die Mitte rückt.“

Stichwort: Helmut Simon (*1922; † 2013)

Der 1922 geborene Helmut Simon begann im Mai 1953 seine richterliche Tätigkeit am Landgericht in Düsseldorf. Von dort wurde er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Bundesgerichtshof abgeordnet. Anschließend erfolgte die Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf. Im Jahr 1965 wurde Helmut Simon zum Richter am Bundesgerichtshof gewählt, im Juni 1970 erfolgte die Ernennung zum Richter des Bundesverfassungsgerichts im Ersten Senat. Diesem gehörte er – nach Wiederwahl im September 1975 – bis zum Eintritt in den Ruhestand im November 1987 an. Neben seiner richterlichen Tätigkeit war Helmut Simon in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich und kirchlich engagiert. So war er von 1970 bis 1995 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Als Präsident stand er diesem von 1975 bis 1977 und von 1987 bis 1989 vor. Darüber hinaus war er unter anderem mehrere Jahre lang Deutscher Delegierter für das Antirassismus-Programm des Ökumenischen Rates der Kirchen mit Sitz in Genf.
 

Stichwort: Helmut-Simon-Preis

Der Preis wurde erstmals im Juni 2005 auf Initiative von Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, damals Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau, als Preis der drei Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz für die besten Projekte der Wohnungslosenhilfe ausgelobt und im Dezember 2006 mit Karl Peter Bruch, damaliger stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister in Rheinland-Pfalz und Jurymitglied, verliehen. Wenig später konnte der ehemalige Bundesverfassungsrichter Helmut Simon als Namensgeber für den Preis gewonnen werden. Der Preis wird seitdem alle zwei Jahre als Helmut-Simon-Preis für innovatives ehrenamtliches und professionelles Handeln von Personen, Initiativen oder Institutionen, die sich für die Überwindung von Armut und sozialer Ausgrenzung einsetzen, verliehen. Drei Mal wurde er durch Ministerpräsident Kurt Beck verliehen. Heute wird die Auszeichnung durch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgenommen. Träger des Preises sind die Diakonie Hessen, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz sowie die Diakonie in Rheinland-Westfalen-Lippe.

Weitere Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier: http://www.fotos.diakonie-hessen.de