14. Dezember 2015

KrankenhausstĂ€rkungsgesetz, Hospiz- und Palliativgesetz, Gesetz zur Suizidhilfe: Eine ganze Reihe von neuen staatlichen Regelungen wirken sich jetzt auf die Arbeit der evangelischen KrankenhĂ€user aus. Sie haben sich unter dem Dach der Diakonie RWL zu VerbĂ€nden zusammengeschlossen. GĂŒnter Geisthardt ist neuer Vorsitzender des evangelischen Verbands evangelischer KrankenhĂ€user in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Im GesprĂ€ch erzĂ€hlt er, vor welchen Herausforderungen die Kliniken in seiner Region nun stehen.

Herr Geisthardt, Sie sind neuer Vorsitzender des Verbandes der evangelischen KrankenhĂ€user in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Bei der Diakonie RWL wird der Verband gern als „kleine Schwester“ des deutlich grĂ¶ĂŸeren Krankenhausverbands in NRW bezeichnet. Was macht den Verband aus?

Verglichen mit dem Verband in Nordrhein-Westfalen sind wir tatsĂ€chlich eine „kleine Schwester“, weil es in unserer Region sehr viel weniger evangelische KrankenhĂ€user gibt. Hier dominieren, insbesondere im Norden von Rheinland-Pfalz, die katholischen Kliniken. Allerdings gibt es auch einige große evangelische KrankenhĂ€user, etwa bei der Kreuznacher Diakonie sowie in Speyer. Insofern haben wir durchaus Gewicht in der Krankenhauslandschaft. Der Verband ist ein wichtiges Forum fĂŒr den Austausch unter unseren TrĂ€gern und eine Plattform, um Interessen zu bĂŒndeln und dann gegenĂŒber der Politik und den Krankenkassen weitgehend geschlossen aufzutreten.

Seit September stehen Sie den Diakonissen Speyer-Mannheim vor, einem sozial-diakonischen Unternehmen mit 4.200 Mitarbeitenden und zwei großen KrankenhĂ€usern in Speyer und Mannheim. Sie selbst sind kein Mediziner oder Verwaltungsdirektor, sondern Pfarrer. Wie wird sich das auf die Arbeit des Verbandes auswirken?

Ich sehe meine Aufgabe in der Moderation und ReprĂ€sentation des Verbands. Dabei vertrete ich das Erbe, den Auftrag und das Profil der evangelischen KrankenhĂ€user. NatĂŒrlich geht es auch um Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit, denn sie sind die Voraussetzung fĂŒr gute Angebote, die wir kranken Menschen, die unsere Hilfe brauchen, machen können. Die wirtschaftliche Kompetenz bringen die GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KrankenhĂ€user mit, die ja meist Betriebswirte sind. Mir ist besonders wichtig, dass wir die Patienten nicht als FĂ€lle, sondern als Menschen sehen. Diese Haltung vermitteln wir all unseren FachkrĂ€ften, denn sie macht ein evangelisches Krankenhaus aus. Dazu gehört auch das Angebot einer qualifizierten Seelsorge und einer ethischen Beratung. Gerade zu Beginn und Ende des Lebens stehen Menschen oft vor schwierigen Entscheidungen, etwa bei Schwangerschaftskonflikten und in der Sterbebegleitung. In jedem evangelischen Krankenhaus sollte ein Ethik-Komitee daher Standard sein.

In den vergangenen Wochen wurden ja einige Gesetze auf den Weg gebracht, die sich auch auf die Krankenhauslandschaft auswirken werden: die Krankenhausreform sowie das Hospiz- und Palliativgesetz. Sind Sie zufrieden?

Die Verbesserung der Palliativversorgung ist fĂŒr uns von großer Bedeutung. Das neue Gesetz gibt uns mehr Möglichkeiten, die ÜbergĂ€nge zwischen stationĂ€rer und palliativer Versorgung zu gestalten. Wir sind gerade dabei, ein dichteres Netz in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung im sĂŒdlichen Rheinland-Pfalz zu stricken. Hier gibt es noch LĂŒcken. Positiv ist auch, dass die Finanzierung der Palliativstationen durch das neue Gesetz sichergestellt ist. Die Kliniken mussten immer wieder harte KĂ€mpfe mit den Krankenkassen um die TagessĂ€tze ausfechten.

Wie sich das KrankenhausstĂ€rkungsgesetz auswirken wird, ist noch nicht ganz abzusehen. Aber die GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Kliniken unseres Verbands sehen diese Reform kritisch. Zwar soll die medizinische Versorgung in der FlĂ€che aufrechterhalten werden, was fĂŒr ein in einigen Teilen dĂŒnn besiedeltes FlĂ€chenland wie Rheinland-Pfalz wichtig ist. Doch die schwierige Personalsituation in den KrankenhĂ€usern wird bestehen bleiben, den Pflegenotstand beseitigt dieses Gesetz keineswegs.

Seit Anfang November ist die organisierte Sterbehilfe verboten. Darum ist in Deutschland hart gerungen worden. Wie stark hat Sie die Diskussion darum beschÀftigt?

Mich beschĂ€ftigt das Thema Sterbebegleitung schon sehr lange. Daher habe ich die Debatten um die Sterbehilfe intensiv verfolgt. Diese Diskussion wurde auf hohem Niveau gefĂŒhrt und hat meines Erachtens dazu beigetragen, die Bevölkerung fĂŒr das Thema zu sensibilisieren. Mit dem neuen Gesetz ist nun ein guter Weg gefunden worden. Es verbietet die gewerbsmĂ€ĂŸige und auf Wiederholung angelegte Sterbehilfe, schĂŒtzt aber gleichzeitig Ärzte, die Todkranke auf ihrem letzten Lebensweg begleiten.

Sie sind Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim und damit auch ihrer KrankenhĂ€user. Was bedeutet das fĂŒr Sie?

Ich sehe darin ein besonderes Erbe, das zugleich Verpflichtung fĂŒr uns ist, eine gute Medizin und Pflege anzubieten. In unseren KrankenhĂ€usern arbeiten keine Diakonissen mehr im aktiven Dienst, aber sie haben die Kliniken ĂŒber Jahrzehnte mit ihrem Engagement und ihrer Haltung der christlichen NĂ€chstenliebe und FĂŒrsorge geprĂ€gt und damit entscheidend fĂŒr den guten Ruf in der Bevölkerung beigetragen. Auf dem GelĂ€nde in Speyer befindet sich auch das Mutterhaus der Diakonissen. Insofern können unsere Patienten ihnen auch noch begegnen. Viel Wert haben die Diakonissen auf eine gute Geburtshilfe gelegt und dafĂŒr ist unser Krankenhaus auch in ganz Rheinland-Pfalz bekannt.

Wie stark beschĂ€ftigt die KrankenhĂ€user Ihres Verbands die medizinische Versorgung der FlĂŒchtlinge?

Es ist Thema in all unseren Kliniken. In Speyer haben wir gerade ein Projekt der Diakonissen Hebammenschule mit Pro Asyl und der GedĂ€chtniskirchengemeinde fĂŒr schwangere FlĂŒchtlingsfrauen gestartet. Auszubildende unserer Schule bieten eine Hebammensprechstunde mit Dolmetschern an und betreuen die Frauen wĂ€hrend der Schwangerschaft und Geburt. Das Projekt wird sehr gut angenommen.

Das GesprĂ€ch fĂŒhrte Sabine Damaschke.