13. November 2015

Seit 25 Jahren gibt es Kinderschutzdienste in Rheinland-Pfalz. Aus diesem Anlass hatten die Liga der SpitzenverbĂ€nde der Freien Wohlfahrtspflege und das Ministerium fĂŒr Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen zu einer JubilĂ€umsfeier nach Mainz eingeladen.

Das Grußwort könne einem schon einmal im Halse stecken bleiben, bekannte der LIGA-Vorsitzende Albrecht BĂ€hr. Schließlich bedeuteten 25 Jahre Kinderschutzdienste in Rheinland-Pfalz im Umkehrschluss auch, dass es mindestens so lange Gewalt gegen Kinder gebe, die eben jene Kinderschutzdienste erst erforderlich machten.

Jedes Jahr begleiten die Kinderschutzdienste in Rheinland-Pfalz etwa 1200 junge Menschen. Die Dunkelziffer von betroffenen Kindern ist weitaus höher. Viele von Ihnen haben eine fĂŒr sie lange Zeit des Schweigens hinter sich, denn sie fĂŒrchten sich vor den Konsequenzen, die es hat, wenn sie reden. Sie stecken in massiven LoyalitĂ€tskonflikten, denn der Großteil aller Übergriffe findet in der Familie oder im Freundeskreis statt. Das verursacht GefĂŒhle von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Kinderschutzdienste könnten aus dieser ausweglosen Situation heraushelfen. Wenn sie denn fĂŒr die Kinder und Jugendlichen erreichbar sind. BĂ€hr kritisierte, dass die Mitte des Landes in dieser Hinsicht ein weißer Fleck in der Schutzlandschaft sei.

Doch bei aller Ambivalenz mit dem JubilĂ€um: „Was wir heute tun sollten ist, wert zu schĂ€tzen, was die Kinderschutzdienste seit 25 Jahren tun“, betonte der LIGA-Vorsitzende. „Kinderschutzdienste arbeiten dagegen, dass aus den Gewalterfahrungen, die Kinder und Jugendliche mitbringen, Selbstverachtung, Depressionen und langfristig  schwere psychosomatische Leiden entstehen. Sie vermitteln, dass man sich auf Erwachsene auch verlassen kann und dass Kinder nicht so werden mĂŒssen wie ihre Eltern. Und sie helfen dabei, das Geschehene auszuhalten, ohne Rechtfertigungen finden zu mĂŒssen und Unrecht beim Namen zu nennen.“

BĂ€hr dankte allen Mitarbeitenden in den Kinderschutzdiensten fĂŒr ihre ProfessionalitĂ€t und Empathie: „Wer im Kinderschutz arbeitet, kann und darf keine Routine entwickeln, muss sich jedes Mal neu auf die Situation und den jungen Menschen einlassen, der Hilfe benötigt.“

Der LIGA-Vorsitzende und Sprecher der Diakonie in Rheinland-Pfalz ging auch auf die Situation junger FlĂŒchtlinge in Rheinland-Pfalz ein. Dass diese nun auch verstĂ€rkt in den Kinderschutzdiensten Hilfe suchten, sei nur zum Teil Folge ihrer Gewalterfahrungen auf der Flucht. Auch die LebensverhĂ€ltnisse in den UnterkĂŒnften in Rheinland-Pfalz seien unter den Aspekten der Kinderrechte und des Kinderschutzes in immer mehr FĂ€llen nicht tragbar. BĂ€hr mahnte, dass auch in schwierigen Situationen das Wohl und der Schutz der Kinder und Jugendlichen Maßstab des Handelns bleiben mĂŒssten.