26. Oktober 2015

Mit einem Gottesdienst in der Diakonie Kirche in Bad Kreuznach begannen gestern die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Diakonie Werkstätten in Bad Kreuznach. Musikalisch unterstützt durch den Projektchor des Betriebs 2 ging Pfr. Wolfgang Baumann, Theologe im Vorstand der Stiftung kreuznacher diakonie auf ein Zitat von Martin Luther ein: „Arbeit gehört zum Menschen wie das Fliegen zum Vogel.“ Anschließend begaben sich die Besucher/-innen in die Theodor Fliedner Halle, wo Dr. Frank Rippel, der Kaufmann im Vorstand, in seinem Grußwort die Geschichte der Diakonie Werkstätten darstellte. Diese reicht nämlich bis zur Gründung des Mutterhauses im Jahr 1889 in Bad Sobernheim zurück, wo damals bereits Menschen mit Behinderung gefördert wurden.

Vor vierzig Jahren wurden die Diakonie Werkstätten aus den schon bestehenden Betrieben in eine neue Organisationsform – die anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen  – gewandelt. „Ein Ziel in unseren Werkstätten ist, allen Menschen mit Beeinträchtigungen – egal  wie schwer ihre Behinderung ist  – eine Beschäftigungsform und damit Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Dies ist aus unserer Sicht eines der Alleinstellungsmerkmale der Diakonie Werkstätten“, betonte Rippel. Heute würden die Werkstätten als Teil des Arbeitsmarktes und damit als Teil der Wirtschaft in unserem Land angesehen. Seit mehr als 20 Jahren gebe es zudem mit dem Werkstattrat ein Mitbestimmungsmodell der Beschäftigten in den Diakonie Werkstätten. Als kompetenter Ansprechpartner helfe er, die Entwicklung der Diakonie Werkstätten voranzubringen.

Werkstätten vor dreifacher Herausforderung

Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler überbrachte zum Jubiläum die Glückwünsche der Landesregierung und sagte: „40 Jahre Arbeit für und mit Menschen mit Behinderung sind eine großartige Leistung, für die ich Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung ausspreche. Arbeit ist für Menschen ein entscheidender Gradmesser für ihre gesellschaftliche Teilhabe, Gleichstellung und Selbstverwirklichung. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass wir uns auch in Zukunft gemeinsam dafür einsetzen, Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen."

Die Werkstätten stünden derzeit vor einer dreifachen Herausforderung, betonte der Landespfarrer der Diakonie in Rheinland-Pfalz, Albrecht Bähr, in seinem Grußwort. Zuerst müssten sie ihrem ursprünglichen Auftrag als Rehabilitationseinrichtung gerecht werden. Zum Zweiten sollen sie das normative Ideal der Inklusion erfüllen und zum Dritten auch noch wirtschaftlich arbeiten. Das sei dann schon mit einer eierlegenden Wollmilchsau zu vergleichen. „Werkstätten wird es auch in den kommenden Jahren noch geben. Anders als heute – sie werden modernisieren, vernetzen, neue Kompetenzen entwickeln – aber es wird sie mit Sicherheit noch geben.“

Im Mittelpunkt des Tages standen die 31 Menschen mit Behinderung, die in ihren jeweiligen Betrieben von 1975 bis heute tätig sind. Dabei war breite Spektrum der Werkstatt-Standorte vertreten: von der Asbacher Hütte, über den Bad Kreuznacher Betrieb 1, Bad Sobernheim und die Meisenheimer Förderwerkstatt bis hin zur Produktivwerkstatt in Meisenheim. Sie alle wurden von den Betriebsleitern mit Urkunden ausgezeichnet, bevor Paten aus dem Publikum ein Geschenk überreichten. Musikalische Beiträge der „Diakonieler“, einer Musikgruppe aus dem Kirner Betrieb, und dem Chor des Betriebes 1 lockerten das Programm immer wieder mit passenden Stücken auf.

 

Tag der offenen Tür mit vielen Aktionen

In der Halle selbst veranschaulichten verschiedene Stände, wie sich die Arbeit von und mit Menschen mit Behinderung in den vergangenen 40 Jahren verändert hat und vor welchen Anforderungen die Diakonie Werkstätten heute stehen. Der traditionelle

Tag der offenen Tür des benachbarten Betriebs 1 lockte das Festpublikum anschließend dorthin, wo die Arbeit und die Aufträge der Diakonie Werkstätten unmittelbar zu erleben sind: in die Gruppenräume der Werkstatt. Neben vielen Informationen wurde ein buntes Unterhaltungsprogramm geboten. So konnten sich die Gäste in der Weihnachtswerkstatt über die Berufliche Bildung informieren, Polybat oder Tischtennis spielen, die Vorführungen der Hauswirtschaft erleben, beim Ratespiel „Werkstatt-Klick“ mitmachen oder sich vom Werkstattrat mit frischem Popcorn eindecken lassen. Auch die große Tombola fand regen Zuspruch. Spezialitäten vom Grill, Waffeln oder die Kuchentheke deckten die kulinarischen Ansprüche ab. Die Produkte aus dem umfangreichen Werkstatt-Sortiment bot die benachbarte Geschenke-Ecke an diesem Tag in großer Auswahl an und in der Fliedner Halle lenkten am Nachmittag die Trommelgruppe der Tagesförderstätte Bad Kreuznach, und anschließend die Pantomimengruppe „Villa Pari“ aus Meisenheim die Aufmerksamkeit auf sich.

 

Während der Feierlichkeiten wurden folgende Beschäftigte für ihr 40-jähriges Arbeitsjubiläum geehrt:

Betrieb Asbacher Hütte: Gisela Häusler, Elisabeth Kaiser, Monika Lubert und Hans Simon

Betrieb 1 Bad Kreuznach: Christel Becker, Gerda Bottler, Ulrike Kiefer, Erich Kuhn, Monika Orth, Irmtraud Pinno, Regina Sorgenfrei, Jutta Stünkel und Elke Vogelhubert

Betrieb Bad Sobernheim: Gisela Clemens, Ursula Köhne und Helga Wilbert

Förderwerkstatt Meisenheim: Norbert Bechtel, Günther Schmikale und Hans-Dieter Schneider

Betrieb Meisenheim: Hermann Beuscher, Rüdiger Hartung, Siegfried Hellmig, Friedrich Dieter Iske, Andreas Helmut Laske, Ingrid Mader, Klaus Pfirrmann, Wolfgang Schneider, Peter Schröder, Hans-Peter Thielemann, Günther Trinogga und Arno Winkler