22. September 2015

Familienzimmer gibt es im Diakonie Krankenhaus Bad Kreuznach (DK) eigentlich nur auf der Abteilung Gynäkologie/Geburtshilfe. Doch in besonderen Fällen wird kurzerhand auch mal ein ganz normales Patientenzimmer der Inneren Abteilung in ein Familienzimmer umfunktioniert, so dass die Flüchtlingsfamilie Sharschid zusammenbleiben kann.

15 Tage war Walid Sharschid mit seinen Kindern Mariam (16) und Ahmad (14) unterwegs. Zu Fuß und mit dem Zug machten sie sich auf den Weg nach Deutschland. Vor zwei Tagen kamen sie in den Turnhallen des Schulzentrums am Römerkastell in Bad Kreuznach an.

Gestern fand dort die erste koordinierte ärztliche Sprechstunde statt. „Dabei ist uns Herr Sharschid aufgefallen. Er klagte über Brustschmerzen und Luftnot“, erzählt Dr. Dirk Blaschke. Der Assistenzarzt der Abteilung Plastische und Rekonstruktive Chirurgie im DK und Malteser-Mitglied hat auf Anfrage der Malteser die Organisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Notunterkunft übernommen. „Montags, mittwochs und freitags bieten wir ab sofort zwischen 17 und 19.30 Uhr Sprechstunden an.“ Momentan werden die Dienste ausschließlich von Ärzten aus dem Diakonie Krankenhaus abgedeckt. „Ich bin jedoch dabei, Niedergelassene anzusprechen und hoffe auf weitere Unterstützung“, so Blaschke.

Bei der Sprechstunde am Montag war auch der Oberarzt der Inneren Abteilung, Dr. Stefan Widmer, vor Ort. „Wir erfuhren, dass Herr Sharschid in Syrien schon einmal einen Herzinfarkt erlitten hatte. Die Symptome waren ganz ähnlich wie dieses Mal“, sagt Widmer. Also kam der 63-Jährige direkt ins Diakonie Krankenhaus. Da die beiden Kinder noch minderjährig sind, dürfen sie nicht allein in der Notunterkunft bleiben, sondern müssten in einem Kinderheim untergebracht werden. Das wollten die Mitarbeitenden des Diakonie Krankenhauses jedoch nicht. Und so wurde aus dem Patientenzimmer 48 auf der Station 5 C einfach ein Familienzimmer. „Wir haben zwei Betten für Ahmad und Mariam hineingestellt, so dass sie bei ihrem Papa sein können“, informiert Stationsleitung Jens Gregorius. „Die Situation für die Familie ist ohnehin schwierig genug. Da war es für uns eine Selbstverständlichkeit, hier zu helfen.“ Auch die Krankenhausküche war sofort dabei und versorgt neben dem eigentlichen Patienten die Kinder mit. Die Familie ist dankbar für die Hilfe und fühlt sich sehr gut aufgehoben, wie Walid Sharschid in brüchigem Englisch erklärt.  

Nach einigen Voruntersuchungen werden die Ärzte einen Herzkatheder-Eingriff bei ihm vornehmen. Und so lange der Krankenhausaufenthalt dauert, so lange dürfen auch Tochter und Sohn bleiben.