5. Mai 2010

Auf dem Europäischen Protesttag in der Mainzer Staatskanzlei fordern rund 450 Teilnehmende die schnelle Umsetzung der UN-Konvention. Unter dem Motto „Auf in die Mitte – Teilhabe jetzt!“ stellen die Diakonische Behindertenhilfe und Psychiatrie Rheinland-Pfalz und der Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen in Rheinland-Pfalz Ottmar Miles-Paul die Rechte von Menschen mit Behinderungen in den Mittelpunkt. Menschen mit Behinderungen aus rheinland-pfälzischen  Mitgliedseinrichtungen der Diakonie setzen sich mit Aktionen für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe ein.

„Die UN-Konvention in Deutschland ist bereits im März 2009 in Kraft getreten“, erklärt Dr. Ilka Sax-Eckes, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Diakonische Behindertenhilfe und Psychiatrie in Rheinland-Pfalz. Am Protesttag werden Betroffene, die in diakonischen Einrichtungen leben, Zukunftsperspektiven für ein inklusives Miteinander in allen Bereichen vorstellen. „Seit dem ersten Aktionstag 1992 hat sich vieles verändert“, ergänzt Miles-Paul. Rheinland-Pfalz habe als erstes Bundesland einen Aktionsplan zur konkreten Umsetzung der UN-Konvention vorgestellt. Rund 200 verschiedene Maßnahmen seien geplant.

„Auf dem Weg in die Mitte müssen wir eine Kernfrage positiv beantworten können“, sagt der Sprecher der drei Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz, Oberkirchenrat Manfred Sutter: „Bringt uns das, was wir jetzt tun oder vorhaben, ein Stück näher an eine inklusive Gesellschaft und an die verwirklichte Gemeinschaft aller Bürgerinnen und Bürger?“ Er betont: „Nur gemeinsam können wir die Inklusion verwirklichen.“ Es handle sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Landesregierung, die Kommunen, die Wirtschaft, die Kirchen und die Wohlfahrtsverbände müssten jeweils ihren Teil dazu beitragen. Jetzt seien alle in der Pflicht, die erforderlichen Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderungen zu schaffen. Dazu gehörten neben personenzentrierten Hilfen, eine behindertengerechte Infrastruktur in Städten und Gemeinden, ein Netz wohnortnaher Dienstleistungen, offene Wohnformen, mehr Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sowie inklusive Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. Auch die Bewusstseinsbildung innerhalb der Gesellschaft für die Belange von Menschen mit Behinderungen sei eine wichtige Aufgabe.

Hinweis: UN-Konvention ĂĽber die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Die UN-Konvention ist nach langer Debatte im Dezember 2008 ratifiziert worden und im März 2009 in Kraft getreten. Sie stellt auch für die Bundesrepublik Deutschland einen Meilenstein dar, auf den viele Menschen mit Behinderung und ihre Verbände gewartet haben und viele Hoffnungen legen, da sie ihre durch unterschiedliche Gesetze zugesprochenen Rechte bis heute nicht umfassend in Anspruch nehmen können.

Hinweis: Arbeitsgemeinschaft Diakonische Behindertenhilfe und Psychiatrie Rheinland-Pfalz

Die Arbeitsgemeinschaft „Diakonische Behindertenhilfe und Psychiatrie“ vereint in sich alle evangelischen Träger von Einrichtungen und Diensten ambulanter und teilstationärer / stationärer Behindertenhilfe und Psychiatrie. Die Arbeitsgemeinschaft koordiniert und diskutiert diakonische Strategien im Bereich der Behindertenhilfe und Psychiatrie, nimmt Stellung zu aktuellen fachpolitischen Themen und vertritt die diakonischen Interessen sowohl in den Gremien der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz als auch in landes- und bundesweit tätigen Fachgremien.

In Rheinland-Pfalz gibt es 14 Träger Diakonischer Behindertenhilfe und Psychiatrie. In deren Einrichtungen und ambulanten Diensten betreuen rund 4000 Mitarbeitende über 8000 Menschen mit Behinderungen. Zudem gibt es fünf integrierte Kindertagesstätten (in Birkenfeld, Maxdorf, Germersheim, Zweibrücken und Neuhofen-Waldsee).