28. Juni 2015

Mit viel Beifall für einen unerhörten Beitrag ist in Ramstein -Miesenbach der Rheinland-Pfalz- Tag eröffnet worden. Die Inklusions-Band "Carpe Diem - unerhört" des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz brachte die ersten Besucher der Kirchenmeile in Stimmung. Kinder und Jugendliche der Kindergottesdienstarbeit zeigten bei bestem Sommerwetter einen Regenschirmtanz. 

Oberkirchenrat Manfred Sutter gab den Startschuss für das Kirchenprogramm, zu dessen Gästen auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer gehörte. "Das ist echt schön, dass Landeskirche und Diakonie beim Landesfest so präsent sind", sagte Dreyer, die noch am Vorabend bei der Gartenparty der Queen in Berlin zu Gast gewesen war.

Über ihr kirchliches Engagement befragt, erklärte Dreyer, sie arbeite als Katholikin "für die Ökumene".  An der protestantischen Kirche schätze sie die zahlreichen Möglichkeiten der Mitbestimmung, die der synodale Aufbau ermögliche und "dass man auch als Frau etwas werden kann, wie zum Beispiel Bischöfin", sagte die Ministerpräsidentin. Für sie als Politikerin sei der Einsatz für eine gerechte Welt und eine intakte Umwelt zutiefst christlich, so Dreyer im Gespräch mit Diakoniepfarrer Albrecht Bähr.

Beim ökumenischen Gottesdienst am Samstag in der Ramsteiner katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus betonten Kirchenpräsident Christian Schad und Weihbischof Otto Georgens, dass gerade angesichts der 800-jährigen Geschichte der Gemeinde Ramstein der Begriff „Heimat“ eine besondere Bedeutung erfahre. In der Westpfalz, wo seit Jahrhunderten zugewanderte Menschen heimisch wurden, sollte denen, die in jüngster Zeit vor dem Terror in ihren Ursprungsländern hierher geflohen seien, Schutz und Hilfe gewährt werden, erklärten Schad und Georgens in ihrer Dialogpredigt zum Thema „Heimat – was ist Heimat?“.

Nach den Worten von Kirchenpräsident Christian Schad ist die Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Traditionen eine Bereicherung für die Gesellschaft insgesamt: Heimat sei auch, „wo viele Verschiedene Raum zum Leben finden und sich miteinander austauschen“, sagte Schad. „Heißen wir die Flüchtlinge willkommen, erlernen wir mit ihnen die deutsche Sprache, begleiten wir sie beim Gang zu Ärzten und Behörden. So können wir für sie Heimat werden und ihnen die Chance eröffnen, bei uns neue Wurzeln zu schlagen.“

Die Bibel zeige, dass Migration ein Menschheitsthema sei, sagte Weihbischof Otto Georgens. Wer Heimat suche, wolle mehr als nur „ein Dach über dem Kopf oder einen Topf auf dem Herd“, führte der in der Diözese Speyer für weltkirchliche Aufgaben zuständige Geistliche aus. Arbeit sei mehr als nur Broterwerb, sie diene auch der seelischen Gesundheit. Georgens appellierte, den Arbeitsmarkt „für alle zu öffnen, die arbeiten wollen und können“, damit sie hier Heimat finden und ihre traumatischen Erfahrungen überwinden können“.

Bei dem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Nikolaus sprachen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Ramsteiner Bürgermeister Klaus Layes Fürbittgebete, die Liturgie gestalteten die Pfarrer Bernhard Spieß (katholisch) und Tobias Dötzkirchner (evangelisch) sowie die Militärseelsorger Richard P. Novotny und Erik W. Nelson. Ein ökumenischer Projektchor und der evangelische Posaunenchor Neunkirchen begleiteten den Gottesdienst musikalisch.