25. Januar 2010

Die Trägerkonferenz der diakonischen Einrichtungen im Land Rheinland-Pfalz tagte heute in Speyer. Unter der Fragestellung: Was ist uns die soziale Arbeit in Rheinland-Pfalz wert? diskutierten rund 120 Teilnehmende mit Politikern über die Zukunft des Sozialstaates.


Die Diakonie in Rheinland-Pfalz blickt mit Sorge in die Zukunft. Angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die auch in Rheinland-Pfalz immer stärker spürbar ist, wird der weitere Abbau des Sozialstaates auf Kosten der Armen und Schwachen in der Bevölkerung befürchtet. Der Sprecher der Diakonie in Rheinland-Pfalz, der pfälzische Oberkirchenrat Manfred Sutter, bat den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, die soziale Verantwortung des Landes auch zukünftig aufrecht zu erhalten. „Als Spitzenverband versteht sich die Diakonie in Rheinland-Pfalz als sozialpolitischer Anwalt für die Armen und Benachteiligten im Land“, unterstrich Sutter.


„Lassen Sie uns gemeinsam für den Erhalt des Sozialstaats kämpfen“, forderte der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern. Gemeinsam mit der Politik müssten zukunftsfähige Konzepte gegen Armut entwickelt werden. Gern zitierte den Bundesverfassungsrichter a.D. Dr. Helmut Simon: „Wer wenig im Leben hat, muss viel Recht haben. Denn die Stärke der Gesellschaft misst sich am Wohl der Schwachen“.


Ministerpräsident Kurt Beck bekannte sich zu den Gedanken der Sozialstaatlichkeit und der Subsidiarität: „Wir brauchen die Gemeinschaft der Steuerzahler, die einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der Sozialsysteme zahlt. Wir brauchen aber auch die Sozialverbände wie die Diakonie, die die christlichen Werte der Menschlichkeit, der Nächstenliebe und der Menschenwürde in die sozialpolitische Diskussion eintragen.“


Der stellvertretende Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Städtetages, der Speyerer Oberbürgermeister Werner Schineller, hob hervor, dass Rheinland-Pfalz bundesweit einen Spitzenplatz im Bereich der sozialen Sicherung einnimmt. Allerdings hätten die Kommunen durch ständig steigende Ausgaben im Pflichtleistungsbereich keine finanziellen Ressourcen für die so genannten freiwilligen Leistungen. „Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, die unsere sozialen Sicherungssysteme verändern wird“, sagte Schineller. Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Selbstbestimmung der Bürger müssten gefördert werden, ohne die staatlich finanzierte Daseinsfürsorge aufzugeben.


Hintergrund:


Die Trägerversammlung der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz tagt einmal jährlich. Sie versammelt alle Träger diakonischer Einrichtungen im Land Rheinland-Pfalz. Insgesamt beschäftigen die Trägereinrichtungen ca. 25.000 Mitarbeitende. Rund 15.000 freiwillige Helfer/-innen engagieren sich ehrenamtlich für die Diakonie.